Von wegen Algorithmen: Unsere Filterblasen sind pure Handarbeit

Boy in a Bubble

(Ursprünglich erschienen auf t3n)

„Oh wie trübe und reizlos wird das Leben für sie werden, ohne mich!? Wie können sie leben in dieser Welt“, jammert Nero, den Dolch zum Suizid in der Hand. Währenddessen stürmt das Volk Roms den kaiserlichen Palast, ganz offensichtlich weit davon entfernt, die Aussicht auf ein Leben ohne Nero als trübe und reizlos zu empfinden.

Zwei Stunden und siebenundreißig Minuten hat der Zuschauer des Ostersonntag-Fernsehklassikers „Quo Vadis“ bis zu diesem Moment dabei zugesehen, wie Peter Ustinov in der Rolle des römischen Kaisers Nero in einem zuckerwattigen Palastkosmos vor sich hinherrscht; eine Umgebung, in die nur Informationen vordringen dürfen, welche die Überzeugungen des Imperators stützen: Claqueure, die seine Dichtkunst loben, Höflinge, die ihm die Bewunderung des Volkes versichern, Boten aus fernen Ländern, die von Heldentaten der Armeen künden. Sogar die Götter sind dem Herrscher wohlgesonnen – beteuern die Priester. Widerspruch, Zweifel, Kritik, unerwünschte Fakten und lästige Paradoxien müssen draußen bleiben. Überbringer widriger Nachrichten lässt der Kaiser umbringen. Ein hermetisches Weltbild fordert eben Opfer.

Solch eine sich selbst bestätigende Wunschwelt aufrecht zu erhalten ist damals eine blutige und aufwändige Angelegenheit. Nur die herrschende Elite kann sich eine derart rosinengepickte Realität leisten, in die nichts einsickert, was den eigenen Standpunkt auch nur anrempeln könnte.

Fast forward: Rund zweitausend Jahre später kann sich ungefähr jeder Zeitgenosse ein völlig eigenes faktenresistentes Weltbild zulegen – und das sogar ganz ohne irgendwelche Boten zu meucheln. „Filterbubble“ nennt dieses Prinzip der Feuilleton-gefütterte Bildungsbürger, meist mit leicht spitzfingerigem Tonfall – in etwa so, wie er auch „Hauptschulabschluss“ betont – und meint damit natürlich nicht das eigene FAZ-zentrische Informationsverhalten, sondern das der gemeinen Netzbewohner.

Der amerikanische Rechtswissenschaftler und Politik-Aktivist Eli Pariser erwähnte den Begriff Filterbubble erstmals in einem New-York-Times-Artikel im Jahr 2011, und er wollte damit auf die Gefahren hinweisen, dass Individualisierungstechniken von Suchmaschinen den Nutzern irgendwann mal keine anderen Sichtweisen mehr präsentieren, außer den eigenen – ein überwiegend theoretisches Gedankenexperiment.

Vom Gedankenexperiment zum Lieblingsthema

Seitdem ist die Filterblase hauptsächlich ein Lieblingsthema der bereits erwähnten bürgerlichen Feuilletons, um immer wieder technologiepessimistische Texte darum herum zu basteln. Irgend ein Morozov oder Lanier findet sich schließlich immer, um einen unheilvollen Refrain dazu zu raunen.

Innerhalb meiner eigenen Filterbubble hingegen wurde die Existenz von Filterbubbles lange vehement bestritten.

Das ist jetzt nicht mehr so.

Allerspätestens mit dem Auftauchen der *gida-Gruppen und den dazugehörigen „Lügenpresse“-Chören sind Filterblasen kein theoretisches Phänomen und kein lustiges Gedankenspiel von Republica-Besuchern mehr, sondern Realität im Netz und auf der Straße.

Der Wissenschaftler Gerret von Nordheim hat die Twitterströme rund um den Münchner Amoklauf am Olympia Einkaufszentrum analysiert und dabei eindeutig eine Gruppe Filterblasenbewohner identifiziert. In den rund 85.000 untersuchten Tweets fand von Nordheim zwei Hauptcluster. Einer formierte sich rund um den Account der Münchner Polizei. Er enthielt überwiegend Tweets von klassischen Nachrichtenmedien wie Spiegel Online, Tagesschau, Zeit Online, ZDFheute, usw. Auch dort zu finden: viele Journalisten, die privat twitterten, sowie einige Politiker. Im zweiten, etwas kleineren Cluster fanden sich diverse AfD-Ortsverband-Twitterer und etliche Privatleute. Der Tweet mit der größten Reichweite innerhalb dieses Clusters lautete „Deutschland im Visier des islamistischen Terrors! Nun muss das deutsche Volk für die Fehler der Regierung Merkel bluten“ und stammt von einem AfD-Account.

Wir erinnern uns: Es gab während des Amoklaufs niemals auch nur dürftige Hinweise darauf, dass der Täter mit islamistischem Hintergrund unterwegs war. Solche Fakten allerdings waren dem zweiten Twitter-Cluster völlig egal: Hier schimpften Twitterer über Medien- und Politik-Versagen, hetzten gegen Moslems und erklärten Flüchtlinge zu Terroristen. Wechselwirkungen, Retweets, Antworten zu dem ersten, nachrichtlichen Cluster gab es kaum. Was aber diese Filterbubble endgültig eine geradezu Nero-esque Qualität verleiht: Das Verhalten der AfD-nahen Twitterer änderte sich auch dann nicht, als längst bekannt war, dass der Mörder ein verstörter deutscher Jugendlicher mit rassistischen Tendenzen war – und somit alles andere als ein islamistischer Terrorist. In dieser Blase waren immer noch Merkel, der Islam an sich und irgendwie auch alle Flüchtlinge die wahren Münchner Massenmörder.

Die Ursachen des Phänomens

Wissenschaftler sehen bei diesem Phänomen zwei Ursachen am Werk: Zum einen den so genannten Bestätigungsfehler, also die Tendenz der menschlichen Wahrnehmung, Informationen zu bevorzugen, die den eigenen Überzeugungen und Hypothesen entsprechen. Was nicht ins persönliche Weltbild passt, muss gelogen sein, oder mindestens ein Irrtum. Zum Zweiten den Effekt der Gruppenpolarisierung, also einer Art getwittertem Permanent-Schulterklopfen und -Kopfnicken. So falsch kann die eigene Weltsicht ja wohl nicht sein, wenn sie ständig, Tweet für Tweet bestätigt wird!

Beide Verhaltensmuster sind natürlich nicht neu. Auch in der Ära der Papiermedien konnte man sich Publikationen zusammensuchen, die ausschließlich die eigene Position fütterten. Das war aber ungleich schwieriger, und: Je abwegiger die Überzeugungen, um so dünner war das mediale Futter. Anhänger der Chemtrail-Theorie, die bekanntlich besagt, die Flugzeug-Kondenzstreifen am Himmel seien in Wahrheit Gift/Chemie/klimaveränderndes Zeugs, konnten auch vor 20 Jahren zwei, drei Bücher erstehen, die diese, äh, These stützten. Dann war aber Schluss. Vermutlich ließ man solcherlei Theorien also irgendwann aus Langeweile zu Hause im Regal verstauben. Anders heute: In Facebook-Gruppen, über Twitter, über Youtube-Channels kann man Unterfütterungen für die absurdesten Weltbilder einsammeln – und zwar reichlich und jeden Tag neu. Langeweile kommt da nicht auf.

Ähnlich sieht es mit dem Bestätigen in und aus der Gruppe aus. War man vor 20 Jahren vielleicht noch der einzige wirrköpfige Chemtrail-Dozent in der Dorfkneipe, so ist man heute der einzige wirrköpfige Chemtrail-Dozent in der Dorfkneipe, der außerhalb der Dorfkneipe 2.000 Twitter-Follower und eine 500-köpfige Facebook-Gruppe hat, deren Mitglieder einem ständig positive Verstärker senden.

Girl meets Boy in a Bubble

Die Algorithmen sind nicht schuld

Die besagten technologiepessimistischen Feuilletons suchen in ihren technologiepessimistischen Artikeln die Ursachen für die zunehmende Filterbubbelei aufgrund ihrer technologiepessimistischen Sichtweise naturgemäß an der falschen Stelle: im Zweifelsfall sind für sie immer böse Algorithmen aus US-amerikanischer Internet-Konzern-Fertigung Schuld an ungefähr allem digitalem Übel. Ein typischer Fehlschluss, der häufig in technologiepessimistischen Filterbubbles entsteht.

Weder Facebooks Sortier-Ranking „Edge“ noch Googles Versuche der individualisierten Ergebnisausgabe kleben die Filterblasen dicht. Die Bubbles sind pure Handarbeit. Algorithmen sind bislang schlicht zu dumm für die Herstellung solch filigraner Filtergebilde und werden das auf absehbare Zeit auch bleiben. Sogar biologischen Netznutzern bleiben Ironie, Sarkasmus, Doppeldeutigkeiten und Wortspiele schließlich oft genug verschlossen. Bis irgendwann irgendein Stück Software die Satzbausteine eines Martin Sonneborn von denen eines Guenther Oettinger unterscheiden kann, wird noch so manche Ode ans brennende Rom gedichtet.

Als Demokrat, als Freund der Aufklärung und des zivilisatorischen Fortschritts kann die Vorstellung einer komplett zerbubbelten Gesellschaft ein mittelschweres Gruseln auslösen. Wie ließe sich ein wenigstens noch rudimentärer Wertekonsens aushandeln, wenn jeder eine zusammengesammelte Tüte Faktoiden mit zu den Verhandlungen bringt? Und dazu einen Container an persönlich zusammengeklebten Interpretationen dieser Wahrheitsscherben?

Follow, unfollow, subscribe, unsubscribe, block and again: Filterbubbles sind handgefertigt, mit Hilfe digitaler Werkzeuge zwar, aber in höchstindividueller Manufaktur. Und das macht die ganze Angelegenheit viel schwieriger als wären die Blasen made in Silicon Valley oder sonstwo. Die Kunst des Blasenbastelns ist nämlich praktisch identisch mit der Kunst des Informationsmanagements im 21. Jahrhundert. Wer seine Nachrichtenfeeds sortiert, seine Expertenbookmarks sammelt, Menschen und Medien folgt, denen er vertraut, Trolle und Hater blockt, sich Communities sucht, die seinen Interessen entsprechen, der kann sich mit genau den gleichen Handlungen eine wunderhübsch kuschelig-dichte Blase basteln – einfach, in dem er all das übertreibt.

Auch in der persönlichen Informationsökonomie gilt also Paracelsus’ „Nur die Dosis macht das Gift.“ Und wie bei Alkohol und Netflix-Serien ist das richtige Dosieren ein immer wieder aufs Neue schwieriges Projekt. Die unspektakuläre und unbequeme Lösung lautet: Selbstkontrolle, Selbstkritik, Selbsthinterfragung – was zu dem amüsanten Paradoxon führt, dass man mitunter intern genau das selbst erledigen muss, was man mühsam extern herausgefiltert hat.

Bei Nero klappt das auch ganz am Ende des Films nur so mittel: „Ich wollte niemals ein Scheusal sein, die Götter wollten es“, klagt er. Der Filter hält.

(Ursprünglich erschienen auf t3n)

Hong Kong verstehen in 25 Minuten

Al Jazeera hat einen wunderschönen kleinen Film über Hong Kong produziert, genauer: über drei junge Hongkonger, die ihre Freizeit auf Hochhausdächern verbringen, um kurzfristig auch mal über einer Gesellschaft zu stehen, die ansonsten nichts mit ihnen anzufangen weiß, die junge Menschen nicht mag, wie einer der Protagonisten sagt.

Vom verkorksten Verhältnis zwischen Hong Kong und Festland-China, von der Umbrella-Revolution zur Meatball-Revolution, zur aktuellen, Unabhängigkeitsbewegung: eine famose kleine Doku über drei Freunde in Zeiten des Wandels an einem der erstaunlichsten Orte dieses Planeten.

(A pro pos: Hier meine Hong-Kong-Fotos)

Flutwarnung

Assoziativ passend zu den obigen Bewegtbildern des überfluteten Berlins, die der Fernsehsender RBB von Nutzern des weltweiten Computerverbunds Internet heruntergelud und danach gesammelt und erneut in letzteren einspeiste, nachfolgend eine dystopische Flutwarnung der dpa aus dem Jahr 1995:

dpa 05 5 68 14.03.1995 – 01:07 R01 19 A V bas050 6 pl 99 vvvvb dpa 0068 Inlandspresse/ „Coburger Tageblatt“ zu Messen/CeBIT = eine neue sintflut droht uns zu ueberschwemmen: statt wasser bringt die moderne flut informationen, deren strom mit herkoemmlichen mitteln kaum noch herr zu werden ist. die datenflut, die mit der verbreitung der computer weiter anschwillt, bedarf dringend der kanalisierung. die cebit zeigt das spannungsfeld zwischen dem moeglichen und dem wuenschenswerten. schon heute ist es praktisch nur noch experten moeglich, im weltweiten computerverbund internet daten und informationen mit vertretbarem aufwand zu ermitteln. kuenftig wird man wohl zwischen wissenden und ahnungslosen unterscheiden muessen. informationsmakler werden fuer viel geld nachrichten vermitteln, die heute praktisch allen gleichermassen zugaenglich sind. dpa rw 140107 Mrz 95

(via einer Quelle aus dem Regierungsviertel, die ungenannt bleiben möchte)

#München

Mittlerweile ist bekannt: Der 18-Jährige Massenmörder von München

  • wurde von seinen Mitschülern gemobbt und isoliert
  • hat Türken und Juden gehasst
  • sagte „ich bin hier geboren, ich bin Deutscher“
  • hat im Internet Frauen beschimpft
  • befand sich in Therapie, wohl wegen Angststörungen
  • ist nach Winnenden gereist, um sich am Ort des dortigen Amoklaufes umzusehen

Diese Faktoiden ergeben das Bild eines verstörten, kranken jungen Menschen, aufgeladen mit Hass auf die Welt und auf sich selber.

Sich zu fragen, was man nun verändern muss an der Gesellschaft, an den Gesetzen, an der Welt, damit sich so etwas nicht wiederholt, ist nicht nur ein natürlicher Gedankenreflex, sondern auch der richtige Weg. Wir gehören in Deutschland zwar zu den reichsten paar Prozent dieses Planeten, trotzdem liegt auch hier einiges im Argen.

Psychotherapieplätz etwa haben eine Wartezeit von mehreren Monaten. Mobbing in der Schule ist ein Problem, das so alt ist wie die Schule selbst und das genau so lange mit Plattitüden a la „Lass dir das nicht gefallen“ oder „Ignorier sie einfach“ vom Tisch gewischt wird. Fremdenfeindlicher Hass, dem der Täter wohl ausgesetzt war, entwickelt sich in den letzten Jahren von einem Rand- zu einem Massenphänomen. Kurz: Es gäbe viele Ansätze, um auf dem Massaker vom Olympia-Einkaufszentrum herumzudenken, damit Menschen wie David S. künftig nicht noch einmal zu Mördern werden. Hier einige Vorschläge aus der Politik:

  • Bayerns Innenminister Herrmann fordert Unterstützung durch die Bundeswehr.
  • Innenminister De Maizière macht Computerspiele für die Tat mitverantwortlich.
  • Volker Kauder möchte die Sicherheitsbehörden stärken und wünscht sich eine Zusammenarbeit mit amerikanischen Geheimdiensten. Darüber hinaus ist er der Meinung, dass „diese Ego-Shooter-Spiele hinterfragt werden müssen“.
  • Der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl findet, Polizei und Nachrichtendienste müssten ihre Arbeit ausweiten. Außerdem beklagt er: „Wir haben ja ein etwas gestörtes Verhältnis zu unseren Nachrichtendiensten, das ist im Ausland anders.“

Man hat den Eindruck, die Herren reden allesamt über einen völlig anderen Vorgang. Aber es ist lediglich eine völlig andere Perspektive. In der konservativen Weltsicht kommt das Böse eben immer von außen: aus der Hölle, aus einem anderen Land, aus dem Beat-Radio oder eben aus diesem Internet, von wo aus irgendwelche ausländischen (!) Googlekonzerne die Gedanken der Jugend vergiften.

Wenn man Taten wie die in München verhindern will, muss man den mühsamen Perspektivwechsel nach innen vornehmen, in die eigene Gesellschaft hineinblicken, auf die eigenen Leute, auf die eigenen Werte. Wir müssen uns selbst fragen, wie so etwas passieren kann, nicht die Computerspielhersteller und nicht die Geheimdienste.

Der Amokläufer von München kam so wenig aus einem anderen Land, aus dem Internet oder von einem anderen Planeten, wie der von Ansbach, der von Winnenden, der von Emsdetten, der von Erfurt, der von Freising oder der von Bad Reichenhall. Das ist ein schmerzhaftes Eingeständnis und das bedarf drei Ebenen mehr Reflektion als das Behaupten simpler Kausalketten.

Der Attentäter rief: „Wegen Leuten wie euch wurde ich gemobbt. Sieben Jahre lang. Und jetzt muss ich ne Waffe kaufen, um euch abzuknallen.“

Ich habe große Zweifel, dass Computerspielverbote, der Einsatz der Bundeswehr im Innern oder mehr Befugnisse für die Geheimdienste den nächsten David S. verhindern können.

Quellen: Deutschlandfunk, SpOn, YouTube, FAZ, Welt, n-tv

100 Jahre Elektrischer Reporter: So geht es weiter

Am Anfang war ein „Ich und meine große Klappe“-Moment: Bei einer Plauderei mit den Online-Kollegen des Handelsblatts schlug ich im Frühjahr 2006 vor, eine Web-Video-Reihe zu Digitalthemen zu produzieren. Am Ende dieser Gesprächsrunde hatte ich ein „na, dann mach doch mal n Piloten!“ ergattert und das Gefühl, unter Umständen einen mittelschweren Fehler begangen zu haben, denn eine Videokamera besaß ich so wenig wie ein Schnittprogramm, und das Handwerk der Videoerstellung war mir in etwa so vertraut wie mongolische Hochzeitsgesänge.

Webvideo war 2006 noch ein recht exotisches Dings. Youtube war gerade mal ein Jahr alt, und die News-Angebote fingen erst langsam mit Bewegtbildexperimenten an. Einerseits. Andererseits war die Finanzkrise noch zwei Jahre entfernt und die Dotcom-Implosion sechs Jahre her. Online-Video galt damals vielen Web-Journalismus-Bescheidwissern als der ganz neue heiße Zukunftsscheiß, was der Offenheit meinem Vorschlag gegenüber möglicherweise ein Antischwerkraftfeld verliehen hat.

Ich kaufte mir also eine Videokamera; eine kleine…

… mit DV-Kassette. Und ein Mikrofon. Und einen Kopfhörer. Und Adobe Premiere 2. Das wars.

Am 21.09.2006, also vor knapp zehn Jahren, ging dann die erste Folge des Elektrischen Reporters online:

Danach produzierte ich einmal wöchentlich solch ein Ding, sprach unter anderem mit Brewster Kahle, Lawrence Lessig, Marissa Mayer, David Weinberger, Hossein Derakhshan, Mercedes Bunz, Jimmy Wales, Clay Shirky und war wahrscheinlich Deutschlands erster hauptberuflicher Webvideo-Reporter.

Herbst 2008, zwei Jahre später  also, ging es dann ins Fernsehen. Die HR Neue Medien des ZDF hatte mich in den seinerzeit noch so heißenden ZDF-Infokanal hinein geschubst. Damals war die öffentliche Wahrnehmung des Netzes noch eine andere. Man musste den Menschen beispielsweise noch Twitter erklären. Was der Elektrische Reporter übernahm:

Knapp 200 Folgen und acht Jahre später läuft heute Nacht auf ZDFinfo die letzte Folge des Elektrischen Reporters in der gewohnten Kurzmagazin-Form, und die sieht so aus:

Aber das ist mitnichten das Ende des Elektrischen Reporter, im Gegentum! Künftig werden wir unter diesem Label für ZDFinfo Dokumentarfilme zu Digitalthemen produzieren. Die Zeiten haben sich geändert, vierminütige Beiträge werden dem Digitalen des Jahres 2016 einfach nicht mehr gerecht. Deswegen werden es künftig 45 Minuten sein. Zwei dieser Filme befinden sich bereits im Stadium der Vorproduktion.

Im Februar dieses Jahres, im Windschatten meines ersten Spielfilms Operation Naked, hat das Team des Elektrischen Reporters schonmal geübt und für ZDFinfo und Arte die Doku „Ich weiß, wer Du bist“ gedreht. Wenn man so will, war das eine Art Pilot der neuen Inkarnation des Elektrischen Reporters:

Ich weiß, wer du bist.

Wir alle, das ganze Team, freuen uns sehr auf die neuen, mindestens fabulösen und maximal sagenhaften Möglichkeiten, die uns das lange Format schenken wird, und hoffen darüber hinaus sehr, Sie bleiben uns gewogen 🙂

Gesammelte Programmhinweise

Wie man es macht, ist es verkehrt: Da streue ich brav Trailerfilmchen und Sendedaten über alle mir zugänglichen Sozialen Netzwerke, und dann sagen die Leute mir, sie kämen ganz durcheinander mit all dem. Deswegen an dieser Stelle nochmal alles kummuliert:

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Ich habe einen kleinen Spielfilm gedreht, und der heißt OPERATION NAKED, er hat eine Internetz-Seite unter http://operationnaked.zdf.de und er ist in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Dieser Film läuft im Fernseher Eurer Wahl zu folgenden Zeiten:

ZDF: 22.02.2016, 23.55 Uhr
ZDFkultur: 26.02.2016, 20:15 Uhr
ZDFkultur: 26.02.2016, 23:50 Uhr
ZDFinfo: 01.03.2016, 03:30 Uhr
ZDFinfo: 02.03.2016, 12:45 Uhr

Wir würden uns freuen, wenn Ihr den Film nicht nur anseht und weiter empfehlt, sondern ihn darüber hinaus auch mit uns diskutieren würdet; der Einfachheit halber auf der Facebook-Seite zum Film.

Die Handlung von OPERATION NAKED dreht sich im Kern um Datenbrillen, um Gesichtserkennung und um die Aggregation öffentlicher, persönlicher Informationen. Wie es um diese Technologien und Methoden in der Gegenwart und in der nahen Zukunft steht, das habe ich gemeinsam mit Andreas G. Wagner in einem Dokumentarfilm beleuchtet: ICH WEISS, WER DU BIST besitzt ebenfalls eine Landeseite und zwar bei Arte, und auch dieser Film findet sich in einer Mediathek – und auch er ist natürlich in unterschiedlichsten Fernsehern zu sehen:

ARTE: 16.02.2016, 22.10 Uhr
ARTE: 26.02.2016, 09.50 Uhr
ZDFinfo: 19.02.2016, 19:30 Uhr
ZDFinfo: 01.03.2016, 02:45 Uhr
ZDFinfo: 02.03.2016, 12:00 Uhr

Und dann? Beide Filme werden unter Creative-Commons-Lizenzen (genauer: CC-BY-NC-SA) veröffentlicht, was hauptsächlich heißt: Ihr dürft die Filme downloaden, speichern, weitergeben, einbetten, bearbeiten, per Bittorrent sharen uswusf, solange das alles nichtkommerziellen Zwecken dient. (Entsprechende Download-Links werden wir hier noch veröffentlichen.) Als Produzenten und Autoren freuen wir uns sehr, dass ZDF und Arte uns diese Möglichkeit gegeben haben.

Mit Terminen und so jetzt alles klar? Sonst in den Kommentaren kommentieren, bitte! 🙂

[Update] Die ersten Besprechungen und Kritiken sind da:
Hör zu / tittelbach.tv / Leitmedium / WiredFranziskript / SteadynewsWirres.net (1) (2)PolispherePolitik DigitalMeediaGründerszeneKultur2Punkt0 / Taz (1) / WDR Digitalistan / dbna / Westfälische Nachrichten / Lübecker Nachrichten / Der Standard / RTV Der Tagesspiegel / Sueddeutsche / taz (2) /

Tschüss 2015, es war schön mit Dir :-)

Danke für den Fisch!

Global, politisch und von außen betrachtet war 2015 wirklich ein Griff ins Klo: besorgte Bürger, die gegen geflüchtete Menschen aufmarschieren und deren Unterkünfte abfackeln, Nationalisten, die die EU zerbröseln; überhaupt EU: Netzneutralität angesägt, dafür ein Monstrum an so genanntem Datenschutz erschaffen, das uns allen noch auf die Füße kotzen wird. Ansonsten das Übliche: Gewalt, Korruption, Dummheit und ach.

Auch meine Timelines auf Twitter und Facebook sind voll mit „Gut, dass es vorbei ist“-Statements. Was mich zu diesem vorsichtigen Tweet verleitete:

Nicht mehr ganz so vorsichtig, hier nun meine persönliche Highlight-Liste:

  • Zum ersten Mal zur Goldelse hinaufgestiegen.
  • In Tel Aviv am Meer entlang gelaufen.
  • A pro pos gelaufen: 116 Mal in diesem Jahr, insgesamt 1.363 Kilometer, darunter zwei Marathone: einen davon mit verletztem Fuß und lädiertem Knie (mache ich nie, nie wieder!) und einen anderen nahezu komplett ohne Probleme oder Komplikationen (geht doch!).
  • Im Fernsehen Auf Netflix (und so) gesehen und toll gefunden: The Leftovers II, Fargo II, Broadchurch, Better Call Saul, Top Of The Lake.
  • Zum ersten Mal einen fiktionalen Fernsehfilm geschrieben, produziert und Regie geführt: „Operation Naked“ wird voraussichtlich im ersten Vierteljahr 2016 im ZDF als kleines Fernsehspiel laufen. Ein Projekt, bei dem ich mehr gelernt habe als das Saarland.
  • Zum ersten Mal einen Dokumentarfilm geschrieben, produziert und Regie geführt (mit Co-Autor Andreas Wagner): „Ich weiß, wer Du bist“ wird voraussichtlich im ersten Vierteljahr 2016 auf Arte und auf ZDFinfo ausgestrahlt. Ein Projekt, bei dem ich mehr gelernt habe als 20 Fußballfelder.
  • Zum x-ten Mal festgestellt, was für ein fabulöses Team in meiner kleinen Firma werkelt.
  • Gewesen in: New York City, Tel Aviv, Boston, Cambridge, Washington, London, Paris, San Francisco.
  • Und dann noch für zwei Monate nach Hong Kong verreist – einfach weil ich das wollte 🙂

Insofern sage ich ganz unbescheiden: Auf ein ebenso tolles 2016!

Euch allen! 🙂