Das deutsche Internet, erklärt von Gabor Steingart

Internet, ausschließlich mit Verlagsinhalten angefüllt (Symbolbild)

In die FAZ darf ja bekanntlich seit geraumer Zeit ungefähr jeder mal reinschreiben, warum er Google für gefährlicher hält als bewaffnete Neonazis abschmelzende Polkappen antibiotikaresistente Krankheitskeime vieles andere in der Welt. Letzten Montag durfte das nun Gabor Steingart tun, Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt und Herausgeber des „Handelsblatts“.

Steingarts Text ist in vielerlei Hinsicht, nun ja, bemerkenswert, und das nicht nur, weil er ganz nebenbei zeigt, dass dem Autor offenbar das Know How fehlt, die Google-Suche einigermaßen vernünftig zu bedienen. Das hier ist jedenfalls grober Unfug:

Das Suchbegriffspaar „Google & Angst“ ergibt zwanzig Millionen Treffer allein in deutscher Sprache; das Zehnfache der Paarung „Putin & Angst“.

Unabhängig von dieser offenbarten Bildungslücke in Sachen Kulturtechnik des Netzes, ist Steingarts Beitrag geradezu Reklame für die Idee, Journalisten niemals Beiträge “in eigener Sache” schreiben zu lassen. Denn das führt selten zu klaren Gedanken und daher praktisch nie zu einem Erkenntnisgewinn für den Leser. So wie im vorliegenden Fall. Oder wie es jemand anderes anderswo völlig anders ausdrückte:

Steingarts Wörterlawine hätte eine längere Betrachtung verdient, zu der mir aber leider die Zeit fehlt. Ich möchte daher hier nur auf ein einziges kleines Zitat hinweisen:

Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden (…)

Doch doch, das steht da. Ich habe es mehrfach kontrollgelesen und sicherheitshalber mittels copy & paste aus dem Originaldokument geguttenbergt: Herr Steingart behauptet hier nichts anderes, als dass sämtliche deutschsprachigen Artikel, die Google indiziert hat – also wohl so ziemlich beinahe fast alle Texte im deutschen Internet -, ihren Ursprung in deutschen Zeitungsverlagshäusern haben. Alle. Deutschen Texte. Im Internet.

Laut dieser Aussage gibt es im deutschsprachigen Internet keine Uni-Server voller Diplom- und Hausarbeiten, keine Plätzchen- und Risotto-Rezepte von leidenschaftlichen Amateur-Bäckerinnen und -Köchinnen, keine Tipps für japanische Restaurants auf Qype Yelp, keine Buchkritiken auf Lovelybooks - oder Amazon, keine Reise-, Fotografie-, Kino-, Theater-, Politik- oder Strick-Blogs. Lieber Herr Steingart, in Ihrem Internet möchte ich nicht leben!

Nun könnte Gabor Steingarts Aussage natürlich ein Fehler sein, eine Falschformulierung, ein Fehlgriff in die Satzbaukiste, eine missverständliche Wortbastelarbeit, die vielleicht sogar ein unter Zeitdruck redigierender Redakteur in den Text hineingeklöppelt hat. Möglich. Aber unwahrscheinlich.

Steingarts ganzes Google-Bashing und sein wehklagender Appell an die Politik bauen nämlich bei genauer Betrachtung auf der Behauptung auf, alles, womit Google hantiere, sei von deutschen Verlagen mühsam und teuer hergestellt worden. Ohne dieser Prämisse ginge dem Text vollständig die Luft aus.

Und genau das ist nämlich auch das Narrativ, mit dem die Verlage das so genannte Leistungsschutzrecht herbeilobbyiert haben: Leute wie Christoph Keese sind in der letzten Legislaturperiode von einem Bundestagsabgeordneten zum nächsten gelaufen und haben dabei “Google stiehlt unsere Inhalte und wird damit reich” gerufen. Dass es bei dieser abenteuerlichen Behauptung a) nur um winzige Wörterschnipsel geht, die Google als Anreißer anzeigt, und b) sowohl Google als auch das deutsche Internet pickepackevoll sind, mit Inhalten, mit denen deutsche Zeitungsverlage überhaupt nichts zu tun haben, stört diese Räuberpistole natürlich ungemein, weswegen diese beiden Umstände gerne unter den Tisch geschoben werden.

Aber wer weiß: Vielleicht hat Gabor Steingart ja auch einfach nur falsch gegoogelt.

Update 1: Peter Schink wies per Twitter dankenswerterweise auf dieses Dokument hin, in dem es explizit um den Anteil von Verlagsinhalte in den Google-Top-Trefferlisten geht:

Nur gut fünf Prozent der Top-10-Ergebnisse gehören zu den Verlags-Angeboten. Anders formuliert: 95 % aller deutschen Suchabfragen beinhalten auch jetzt schon keine Ergebnisse von Verlagsseiten auf Seite eins. Die wirtschaftliche Bedeutung der Verlagsinhalte für Google scheint also sehr gering.

Das Dokument is zwar von 2009, ich wüsste aber nicht, warum sich diese Zahl seitdem maßgeblich geändert haben sollte.

Update 2: Weil ich gefragt wurde, was genau an Steingarts Google-Suche denn so falsch ist: Die Goolge-Suche verrät lediglich, wie häufig die genannten Wörterpaare in irgendwelchen Texten auftauchen, sagt aber nicht, in welcher Beziehung die Begriffe zueinander stehen. Da das Wort “Google” sehr viel häufiger im Web auftaucht als das Wort “Putin”, ist es nur logisch, dass “Google” zusammen mit dem Wort “Angst” (wahrscheinlich auch zusammen mit  “Joghurt”, “Luftbalon” oder “orthopädischen Strümpfen”) sehr viel häufiger gefunden wird als “Putin” zusammen mit “Angst”. Gabor Steingarts Aussage zur Trefferhäufigkeit dieser Begriffe hat also einen Erkenntniswert von null.

Veröffentlicht von Mario Sixtus

Journalist, Autor, Fotograf

59 Kommentare

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  3. Geguttenbergt? Mir sch(a)wante, es heißt “geschavant” … oder doch gegoogelt, wenn Google immer alles einfach kopiert…

  4. Ich habe mir jetzt eine Erinnerung gebaut. Ein A4 Blatt mit folgenden Worten in dick und groß und rot.

    Qualitätsjournalismus

    Und immer wenn ich einen Text wie den oben genannten lese und meinen Kopf schüttel, zieh ich das Blatt hervor. Lese. Schüttel mich. Und dann ergibt das Ganze wieder Sinn.

    Danke. Danke an alle die nicht im Qualitätsjournalismus arbeiten und ihre Qualität gesetzlich absichern müssen, damit nur sie gelsen werden können. Danke.

    Zurük zu richtig wichtigen Dingen. Wo finde ich im Inet wertfreie journalistische Texte zu:

    Datenvorratsspeicherung, Fragging, Bildunspolitik, Ukraine, Thailand, Raketenabwehrschirm, GenTechnik

    damit ich mir eine eigene Meinung bilden kann?

    • “Fragging”? Sie interessieren sich fürs Töten (insbesondere das virtuelle in Videospielen)? Dazu werden Sie vermutlich keine wertfreien (was auch immer das heißen soll), sondern nur wertlose journalistische Texte finden.

  5. Hallo, ich teile die allegierte Bildungslücke von Herrn Steingart. Also steigen auch sie bitte kurz vom hohen Rosse und klären sie mich auf, denn ich erhalte mit die gleichen Suchergebnisse mit x + Angst wie good old Gabor.

    • Also ich bekomme mit den selben Suchbegriffe wie Herr Steingart 6 Treffer, aber ich habe das mit der Googlesuche ja auch mal in der Schule gelernt. Vielleicht lesen Sie sich den Textausschnitt von Steingart noch ein paar mal durch, dann werden Sie es sicher schon selbst erkennen. Ein + hab ich im Gegensatz zu Ihnen bei old Gabor jedenfalls nicht gesehen.

    • Die Googlesuche nach “Angst Impressum” liefert 4,38 Mio. Treffer. Das zeigt doch, dass mehr Leute Angst vor einem Impressum haben als vor Putin, oder?

    • Einerseits: Es macht schon einen Unterschied, ob man die Suchbegriffe mit “” umschließt oder nicht, jedenfalls wäre eine Suche nach ["Google & Angst"] eine Suche nach exakt diesem String, inkl. dem & (das ist ja kein logischer Operator). Eine solche Suche wäre offensichtlich Quatsch. Das würde ich aber weniger auf Unwissenheit von Steingart schieben, sondern eher auf die schlechte Formatierung im Text. Ich würde vermuten, dass Steingart einfach nur beide Suchbegriffe eingeben hat, also . (Ich komme hier aber auf 18 Mio. für “Google” und “Angst” und auf 3 Mio. für “Putin” und “Angst”.)

      Andererseits: Unabhängig davon zeigt das Beispiel mit “Impressum” und “Angst”, dass die Herangehensweise unsinnig ist – was jedem, der sich ein bisschen mit dem Thema “Wie benutze ich die Google-Suche” klar sein sollte…

      • Suche nur nach “google”: 3 Mrd.
        Suche nur nach “putin”: 52 Mio.

        Dafür dass es ~56x mehr Treffer zu Google gibt als zu Putin, erscheint das Verhältnis ~11x mehr Treffer zu “google angst” (22 Mio.) als “putin angst” (2 Mio.) in einem ganz anderen Licht.

        Hier spricht der Qualitätsjournalismus!

    • Die Anzahl der Suchergebnisse beweist gar nichts. Wenn man Putin für gefährlich hält, könnte dann durch eine Suche nach Handelsblatt und Angst bewiesen werden, dass das Handelsblatt fast halb so gefährlich ist wie Putin? Mitnichten. In Schweden korreliert z.B. auch die Anzahl der Geburten mit der Anzahl der Störche. Schlüsse daraus können nicht gezogen werden.

    • Gabor Steingart beweist mit dem Googeln nach „Google & Angst“ noch in einer weiterer Hinsicht seine technische Inkompetenz, da er doch von „zwanzig Millionen Treffer allein in deutscher Sprache“ schreibt.

      Diese Anzahl an Treffern erhält er jedoch nur, wenn er die Sprache der Treffer gerade _nicht_ einschränkt, also z.B. auch englische Treffer zulässt. Beschränkt man die Suche auf deutschsprachige Seiten, so sinkt die Zahl auf rund 5,5 Millionen. (Die Treffer bei Putin sinken dann auf 1,5 Millionen.)

  6. Apropos Qualitätsjournalismus: es ist durchaus bemerkenswert, dass die FAZ in ihrem aktuellen Artikel über den Chefredakteur der NYT eine Quelle aus der HuffPo heranzieht. Raten wir, über welche Suchmaschine der Autor den O-Ton-Geber gefunden hat?

    • Qwant, die hippe Springer-Suchmaschine, die man ohne Google nicht findet?

  7. Lieber Mario,

    du hast nicht ganz Unrecht mit deinem Text. Aber die Ansicht des Herrn Steingart lässt sich doch ganz einfach erklären:
    Steingart nimmt das Internet (also vermutlich das WWW), als einen Nachrichtenvertriebskanal und die Suchmaschine Google als Archiv wahr. Das Internet ist eine Druckerei (für Nachrichten) mit Luxuslieferservice und Google ein Archiv und Branchenbuch. Obwohl die Verlage eigene Archive haben!

    Das hinkt alles unheimlich, aber der gute Mann ist wie jemand der mündlich geprüft wird. Wenn man nicht so gut Bescheid weiß, wurschtelt man sich halt durch. Und wenn er Glück hat, werden genügend andere Entschieder seine Ansicht übernehmen und er bekommt sie schnell in Gesetze gegossen, bevor er seinen Einfluss auf die Öffentlichkeit verliert.

    So ist das halt mit der Logik der Praxis und dem Denken mittels Analogien. Irgendwann wird die Übertragungsabweichung so grotesk, dass es auch anderen auffällt.

    • Addendum: Im Nachhinein fiel mir auf, dass man meinen Kommentar so lesen könnte, als sei Herr Steingart sich seiner Übertragungsabweichung nicht bewusst. Das halte ich zwar für möglich, möchte aber nochmal klarstellen, dass ich vermute, dass sie strategisch ist.

  8. Einzelne unglückliche Formulierungen rauspicken, einige Fehlleistungen hinzukonstruieren und damit dann den Grundgedanken diskreditieren, das ist nicht die feine Art. Und das selbstverliebte Text-Posing drumherum zeigt allzu deutlich, dass es dem Herrn Sixtus wie so oft in der Vergangenheit mal wieder nur darum geht, seinen Namen erwähnt zu wissen. Diesmal eben als Googleversteher – man nimmt halt, was man an Netzpopularität bekommt.

    • “Googleversteher” = hat man keine Argumente mehr, so muss halt ein ad hominem her …

      Und wer den “Grund”gedanken”” (war wohl eher ein Geefühl als ein Gedanke ;-) duch eine Widerlegung diskreditiert sieht …. eod

    • Da braucht man gar nichts hinzutexten, weil nicht nur die genannten Punkte *offensichtlicher* Schwachsinn sind. Und ja, die Tatsche, dass dennoch ahnungslose/korrupte Politiker auf dieses Hirnriss reinfallen könnten, hat uns leider das LSR gelehrt.

  9. Hallo,

    erst einmal einen besonderen Punkt für “geguttenbergt”. Dann zehn weitere Punkte für den gelungenen Artikel.

    Es ist in der Tat so, dass über Google und Suchmaschinen an sich, sehr viel gefährliches Halbwissen existiert. Das fängt bei der richtigen Suchsyntax an, hier mal als Beispiel Deutschland und Angst. Demzufolge macht Deutschland 3mal soviel Angst wie Putin.

    Es gibt in der IT (leider wird in der Schule noch immer kein vernünftiger EDV Unterricht gehalten) gewisse Syntaxregeln, hier meinen Dank an den “Bildungsbeglückten”.

  10. Einen Hinweis noch: Wenn Steingart schreibt, dass alle deutschen Texte von deutschen Verlagen stammen, dann ist das nicht nur dumm, sondern auch latent chauvinistisch. Immerhin übergeht er mal eben so alle Österreicher, Deutschschweizer, Südtiroler, Liechtensteiner sowie die deutschsprachigen Luxemburger, Elsässer, Lothringer, Belgier…

  11. Auch der Absatz über Chrome im FAZ-Text (“Bei den eigenen Produkten tritt Google die Nutzungsrechte an niemanden ab, schon gar nicht an die Netzgemeinde.”) stimmt nicht, gibt es doch gerade von Chrome eine Open-Source-Variante (Chromium).

  12. Pingback: Alles Google geht vom Verleger aus | Alarmknopf

  13. Was mir beim Lesen des Steingart-textes aufgefallen ist, warum sollen Google Mitarbeiter in deutschen Dokumenten, deutsche Texte schreiben?
    Die haben vielleicht gar keine Zeit für sowas und schreiben lieber in irischen Dokumenten, irische Texte, oder in russischen Dokumenten, russische Texte oder in……

  14. @Drucker // 25.06.14 @ 10:48

    Du scheinst den Artikel entweder nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben.

    Gabor Steingarts Prämisse ist: “Die deutschen Verlage füllen das deutsche Internet”. Darauf fußt sein kompletter Artikel.

    Mathematisch gesehen kann man sagen: Da die Prämisse unwahr ist, sind es auch alle seine Ableitungen. q.e.d.

    Deutsch gesagt: Schöne Wörter, falsch montiert.

    … gute Nacht.

    • Hallo JensE,

      wenn man Andere verbessern will und dazu mathematische Beweisverfahren anführt, sollte man diese auch korrekt benutzen. Was Sie anführen, ist, mathematisch gesehen, die Implikation: Aus A folgt B. Die ist dadurch gekennzeichnet, dass sie genau dann falsch ist, wenn die Prämisse wahr und die daraus geschlossene Ableitung falsch ist. Besagt, deutsch gesagt, dass aus einer falschen Prämisse alles Mögliche gefolgert werden kann, auch etwas Richtiges.

  15. Pingback: Hirnfick 2.0 » Amerika kann man auch nicht mehr so hassen wie damals.

  16. Pingback: Presseverlagsverdrossen: Zu den Klagen gegen Google › Digital Diary - Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück

  17. Zunächst einmal herzlichen Dank fürs Lesen dieses Textes; ich hatte lange vor dem Ende schon Kopf- und Nackenschmerzen.
    Übrigens komme ich auch auf 20 Mio. Treffer bei “Google Angst”. Auf den ersten zwei Seiten nur Döpfners Angst vor Google. ^^

  18. “Nur gut fünf Prozent der Top-10-Ergebnisse gehören zu den Verlags-Angeboten. Anders formuliert: 95 % aller deutschen Suchabfragen beinhalten auch jetzt schon keine Ergebnisse von Verlagsseiten auf Seite eins. Die wirtschaftliche Bedeutung der Verlagsinhalte für Google scheint also sehr gering.”

    Bitte noch ma prüfen :-)

  19. Ein weiterer Witz ist auch:
    “Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält…”

    Google hält keine Dokumente bereit, jedenfalls nicht in der hier vorliegenden Form. Google sammelt Links. Die Dokumente liegen bei den jeweiligen Anbietern.

  20. Unsere Bundeskanzlerin ist übrigens noch viel schlimmer als Putin:

    “merkel angst” ergibt sogar rund 7 Millionen Treffer, auch “merkel nazi” noch 4 Mio.,
    und “obama terrorist” sogar 80 Millionen! :-)

    • Ahh, daraus schließe ich ganz logisch, dass Deutschland einstimmig Obama für einen Terroristen hält.

  21. Das dumme an der Sache ist nur folgende: So bescheuert der Text des Herren auch ist, jeder 08/15 (DE-)Bürger wird aufgrund allgemeiner Verblödung durch diverse Medien (BILD, RTL & co) und/oder schlichte Uninformiertheit diesen Schrott glauben.

  22. Und vor Angst scheinen ganz besonders viele Angst zu haben: Die Suche “Angst Angst” bringt beim “Ungefähr 152.000.000 Ergebnisse”…

  23. …”Das”, besser “Es” ist wieder ein gutes, tolles, klassisches Beispiel, warum es dem Journalismus angeblich so schlecht geht in Deutschland. Am Ende des Tages brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die Glaubwürdigkeit von Journalisten hinter der von Autoverkäufern rangiert, wobei ich wirklich nichts “gegen” Autoverkäufer habe und schon gar nichts gegen gute Geschichten ;)

    Ab und zu ein kleiner Blick zu unserem Nachbarn, der NZZ in der Schweiz, um nur mal ein postives Beispiel zu erwähnen, würde solche Gedanken erst gar nicht erst aufkommen lassen.

    Die politische Kavallerie ausrücken lassen mit viel Säbel rasseln sind nun wirklich keine gute Antwort, wenn nicht sogar die denkbar Schlechteste, für ein hausgemachtes Problem. Bücher, genau wie Zeitungen und Verlage wird es auch in 100 Jahren noch geben. Nur eben halt mit einer anders denkenden Besetzung bei den Verantwortlichen.

    Hier ist http://www.vice.com/de ein sehr gutes Beispiel.

    Liebe Grüsse
    Udo K. Giessing

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  26. Wäre ich ein Pawlowscher Hund: “Deutsches Internet” würde bei mir den Speichelfluss einsetzen lassen. Deutsches Internet gibt es ebensowenig wie französisches, britisches oder russisches. Das Internet ist “inter”national und der internationale Fluss von Informationen ist eine Kulturleistung.

    Weiter:
    a) Aus meiner Sicht verwechselt G. Steingart Quantität mit Relevanz. Ein üblicher Trugschluss.
    b) Womöglich hält G. Steingart die Google-Newssuche für “das Internet” und kommt zu dem Ergebnis, dass alles bei Verlagen abgekupfert ist.
    c) M. Sixtus hält sich nicht an seine eigene Idee, Journalisten sollten nicht über Journalismus schreiben.

    Außerdem ist “das Internet” ein Medium wie jedes andere und nicht für den Inhalt verantwortlich. Wie bei Print, Video, Radio gibt es unterschiedliche Akzente. Ich vergleiche auch nicht das bunte “Bild”ungsblatt mit der Börsenzeitung.

  27. Ich glaube, in dem ersten Zitat („alle Texte sind von deutschen Verlagen“) meint Herr S. aus D. mit Google nicht die Suchmaschine, sondern Google News. Wahrscheinlich wird dem Leser aber diese Differenzierung verschiedener Online-Produkte nicht zugetraut.

  28. In der Sache haben Sie natürlich völlig recht mit Ihre, Artikel, Herr Sixtus. Aber mit der elementaren Kulturtechnik des Interpretierens von Sprache hapert es bei Ihnen dann doch etwas:

    “Herr Steingart behauptet hier nichts anderes, als dass sämtliche deutschsprachigen Artikel, die Google indiziert hat – also wohl so ziemlich beinahe fast alle Texte im deutschen Internet -, ihren Ursprung in deutschen Zeitungsverlagshäusern haben.”

    Nein, das behauptet Steingart nicht. Steingart behauptet nur, dass “alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert” von Verlagsautoren stammt. Der Rest, der also weder begeistert, noch polarisiert, noch langweilt etc. könnte in Steingarts Meinung also durchaus von anderer Seite stammen. Steingart behauptet also nicht, dass alles im Netz von Verlagen stammt, sondern lediglich, dass alles Gute im Netz von Verlagen stammt. Natürlich ist das nur minimal weniger irrsinnig. Ich bin trotzdem der Meinung, dass Sie, wenn Sie schon auf einem einzigen Satz von dem Typen so rumreiten, diesen einen Satz wenigstens gaaaaanz genau gelesen haben sollten.

    • @johnson

      Die Passage lautet wortwörtlich: “[...] Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern ALLES, WAS DA AN ARTIKELN BEGEISTERT, POLARISIERT, LANGWEILT ODER EINFACH NUR INFORMIERT, IST VON DEN AUTOREN DEUTSCHER VERLAGE in deutscher Sprache erstellt worden [...]” (Hervorhebung von mir)

      Deine Interpretation scheint mir da weiter weg zu sein als die von Sixtus. Denn es ist einfach nur eine unverschämte Anmaßung vom kleinen Gabor. Er versteht es wohl nicht, dass “Artikel” im Zusammenhang mit Internet mit “Texte” zu übersetzen ist und nicht mit “Zeitungsartikel”!

  29. Pingback: “Steingart, Sie sind raus!” – “Wieso das denn?” | STAR COMMAND Communiqué

  30. Sehe ich es richtig, dass Du den Text eines Verlages kritisierst, um in Abrede zu stellen, dass Verlagstexte gehaltvoller und bedeutsamer Content sind? Richtig ist, Google schreibt nichts, Google organisiert unseren Blick auf die Texte und macht sich sie gewissermaßen zu eigen. Google macht Geld mit unser Suche nach Inhalten, zu denen es nichts beiträgt. Das muss man nicht verurteilen, ist aber Tatsache. Zeitungen machen auch Geld mit Anzeigen und unseren Beiträgen für den Kauf der Publikation. Welche Finanzierungsmodelle kann es für Qualitätscontent geben? Ist es okay, dass Unternehmen wie Google über den irischen Steuerhafen ihr Geld in Sicherheit bringen aber nichts fiskalisch beitragen? Ist es okay, dass Amazon die kleinen netten Läden kaputt macht, um dann in UK mehr Subventionen zu kassieren als Steuern zu zahlen? Hassen wir die Musikindustrie und GEMA in ihrem ewiggestrigen Kampf gegen Sharing so sehr, dass wir es gut finden, wenn Google denn Musikautoren miese Lizenzbedingungen diktiert und Kasse mit unlizenzierten Content macht?

    • Google macht sich die Texte nicht zu eigen, Google indiziert sie. Die Suchmaschine stellt gewissermaßen die gelben Seiten des Internets dar: Wer einen Anwalt, einen Facharzt oder einen Klemptner braucht, wird offline in den Gelben Seiten (oder einem Pendant) unter dem jeweiligen Stichwort nachschlagen. Ebenso verhält es sich mit Suchmaschinen: Die meisten Menschen wissen nicht auswendig, welche Seite eine von ihnen gewünschte Information enthält. Also brauchen sie eine Anlaufstelle, die die Informationen nach Schlagwörtern ordnet und sie ggf. auf die entsprechenden Seiten weiter leitet. Das Geschäftsmodell von Google ist also ein vollkommen eigenständiges: Natürlich existiert der Dienst nur, weil eine Nachfrage besteht. Und natürlich baut der Dienst auf den Daten Dritter auf. Aber Google bringt dabei eine ganz gravierende Eigenleistung. Oder glaubst du, der Algorithmus zur Indizierung schreibt sich von alleine, die Server warten sich selbständig und die Angestellten von Google sind dort beschäftigt, weil der Konzern gerne Geld sinnlos aus dem Fenster wirft und Obdachlosen eine Unterkunft für den Tag bieten will?
      Im Übrigen: Mediendienste bauen auch auf Daten Dritter auf. Eine Zeitung profitiert von Ereignissen, auf die sie selber keinen Einfluss hat. Sollen Zeitungen also jetzt verpflichtet werden, an die Bundesregierung, an Prominente, an Unternehmen oder an Vereine Geld zu zahlen, wenn sie über deren Ereignisse berichten? Berichterstattung über das letzte WM-Spiel Deutschlands: Vollberichterstattung 30,– €, Nennung des Ergebnisses 10,– €, Nennung der Torschützen 15,– €? Schließlich machen Medienunternehmen Geld mit Inhalten, zu denen sie nichts beitragen.

      Fakt ist: Google nutzt Medienunternehmen nicht illegitim aus und es macht auch kein Geld mit deren Inhalten, sondern es verdient mit Werbung. Die Inhalte sind nur gewissermaßen Anknüpfungspunkt der Dienstleistung. Für diese Sichtweise spricht auch, dass Google bereit ist, Inhalte nicht zu indizieren, wenn das von den Seitenbetreibern gewünscht wird. Nur: Diese betteln Google gradezu darum an, ihre Inhalte sichtbar zu machen. Sie schließen Google mehrheitlich nicht aus und beschweren sich jetzt sogar beim Bundeskartellamt, dass Google bereit wäre, sie aus bestimmten Indizes zu löschen, wenn Google für die Indizierung Geld zahlen müsste.

      Die anderen Fragen bewegen sich in anderen Bereichen: Die Verlage müssen eigenständig Finanzierungsmodelle finden und können nicht von Fremdfirmen mit anderem Geschäftskonzept verlangen, dass sie quersubventioniert sind (zumal anzunehmen ist, dass das Geld ohnehin nicht in Qualitätsjournalismus fließt; ich bezweifle sehr stark, dass Unternehmen wie der Springerverlag sich plötzlich dem seriösen Journalismus zuwenden, weil sie von Google Geld bekommen); dass Google Steuersparmodelle entwickelt, hat mit der Quersubventionierung von Verlagen nichts zu tun, sondern ist eher eine Frage der Steuergerechtigkeit. Unternehmen sparen damit Steuern; diese werden aber ohnehin eher weniger zur Finanzierung von Qualitätsjournalismus eingesetzt.

  31. Da das Wort “Google” sehr viel häufiger im Web auftaucht als das Wort “Putin”, ist es nur logisch, dass “Google” zusammen mit dem Wort “Angst” (wahrscheinlich auch zusammen mit “Joghurt”, “Luftbalon” oder “orthopädischen Strümpfen”) sehr viel häufiger gefunden wird als “Putin” zusammen mit “Angst”.

    Um die Treffer der “Angst”-Paarungen dennoch vergleichbar zu kriegen, kann man sie mit den Treffern der Begriffe selbst gewichten:

    Treffer(google,angst) / Treffer(google) = 0,0035
    Treffer(putin,angst) / Treffer(putin) = 0,0416

    Nach dieser Gewichtung tritt also “Putin” 11mal häufiger im Zusammenhang mit “Angst” auf.

  32. Zu dem Ansatz, Trefferzahlen zu vergleichen sei vielleicht noch am Rande auf das Konzept Filter-Bubble hingewiesen, auch wenn Google das nach eigener Aussage nicht/wenig betrifft: Google verdient hauptsächlich mit Werbung Geld, ist daher besonders auf Profilbildung für personalisierte Werbung spezialisiert. Daher kann einem beim Suchen via Google durchaus eine an die eigenen Interessen angepasste Ergebnisliste angezeigt werden, die eben mehr über Google, Verlage und Angst enthält, als über Außenpolitik.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Filter_bubble

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  40. Da muss ich allerdings zustimmen, so geht das nicht. Sollte auch im Text korrigiert werden.

Autor: Mario Sixtus