Walk Hong Kong on The Sixtus Path :-)

This is a 6 km walk through Hong Kong Central (+ Mid-Levels + Admiralty) almost without crossing any street (actually: two small tiny little street crossings).  In all modesty I call this walking route The Sixtus Path 🙂

One and a half hour compressed into twenty minutes. Music: The Notwist. Enjoy! 🙂

And you can take this walk too: [Google Maps] [GPX] [KMZ]

People’s Bookstore

Hong Kong, Causway Bay

In Causway Bay, einem dieser glitzernden Einkaufsbezirke der an glitzernden Einkaufsbezirken nicht armen Stadt Hong Kong, zeigte mir ein Freund einmal einen versteckten Buchladen: durch einen völlig unscheinbarer Eingang zwischen einer Parfümerie und einem Make-Up-Store, einen engen Flur entlang, mit Hinweisen an den Wänden auf ein „Adult Cinema“, das sich wohl irgendwo im Gebäude befand, dann eine  steile Treppe hoch in den ersten Stock.

Der ganze Laden war vielleicht 50, höchstens 70 Quadratmeter groß, vollgepackt mit Büchern in chinesischer Sprache. Der „People’s Bookstore“ richtete sich an Besucher vom chinesischen Festland und bot ihnen Literatur und Sachbücher, die in der Volksrepublik auf dem Index standen: Politik, Geschichte, Erotik, aber auch Klatsch und Verschwörungstheoretisches, wie mir mal jemand erklärte.

Ich bewunderte die Kunden in diesem Geschäft ein wenig. Aufgewachsen in einem totalitären System mit gelenkten Medien und propagandadurchsetztem Schulunterricht, ohne freies Internet und ohne eine freie Presse, hatten sie gemerkt, dass etwas nicht stimmte im System, dass etwas fehlte. Sie sind nach Hong Kong gereist, über eine Innerstaatsgrenze, in eine für sie fremde Stadt, in dieses kleine, versteckte Buchgeschäft, um das Fehlende zu suchen, um Informationen und Geschichten mit nach Hause zu nehmen, von denen ihre Nachbarn und Kollegen nichts wussten, nichts wissen durften. Kleine Helden.

Ich war vielleicht zwei, drei Mal dort, obwohl ich mangels Sprachkenntnissen mit den Büchern nichts anfangen konnten. Ich mochte die Stimmung, die Enge, mich rührten die unsicheren Blicke der Kunden, die möglicherweise eine Überwachungskamera oder einen plötzlich zwischen den Regalen hervorspringenden Geheimpolizisten fürchteten. Es gab eine Handvoll Buchgeschäfte dieser Art in Hong Kong, erfuhr ich, vielleicht ein halbes Dutzend. Ich war das letzte Mal 2017 da.

Diese Woche hat der „People’s Bookstore“ sein Geschäft geschlossen, als letztes Hong Konger Buchgeschäft, das auf dem Festland verbotene Bücher verkauft hatte.

Kramp-Karrenbauer und der rechte Mob

In Deutschland kritisieren die Parteispitzen den Bundespräsidenten eher selten bis nie. Das gehört sich nicht. Die Würde des Amtes und so. Ich glaube, das letzte Mal war es die Linke-Chefin Katja Kipping, die sich öffentlich über den damaligen Präsidenten Gauck beschwerte, als dieser sich missmutig in Richtung Wladimir Putin geäußert hatte. Schon was her.

Dass die Generalsekretärin der CDU gestern Präsident Steinmeier für seine Unterstützung einer Veranstaltung kritisierte, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus richtet, ist also schonmal bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist, warum sie das tut: Kramp-Karrenbauer möchte sich nicht gemeinsam mit der Band Feine Sahne Fischfilet gegen Rechts stellen. Diese Band ist ihr zu links, zu anarchistisch, kurz: zu punkrock.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist nicht als Musikkennerin bekannt. Dass ihr die Band Feine Sahne Fischfilet vermutlich bis vor kurzem sogar gänzlich unbekannt war, dafür spricht auch ihr Tweet von 2016 (den ihr SPD-Kollege Lars Klingbeil gestern wiederveröffentlichte) in dem sie ein Musik-Festival im Saarland „einfach nur wow“ (Jugendsprache) fand – bei dem genau diese Band  Feine Sahne Fischfilet auf der Bühne stand.

Warum befand es die CDU-Generalsekretärin also seltsamerweise für richtig, diesen zweifach ungewöhnlichen Schritt zu tun? Warum redet sie über eine Band, die sie ganz offensichtlich nicht mal wirklich kennt? Ich vermute: Sie gibt dem rechten Mob nach.

Die Hassbrigaden im Netz, die Pegidisten, AfD-ler, IB-ler, Gab.ais, Selbstdenker, QFD-ler und alle anderen rechten Arschlöcher eint der Hetzreflex in Sachen FSF.

Der Faktenfinder-Journalist Patrick Gensing kann darüber nicht nur ein Lied, sondern einen 100-strophigen Choral singen. Im letzten Frühjar kübelten die braunen Hater monatelang unzählige diffamierende und beleidigende Posts und Tweets über ihm aus. Grund: Er hatte sich 2015 auf einem Konzert backstage mit der Band fotografieren lassen. Auch „BILD“-Chefredakteur Julian Reichelt beteiligte sich an dieser Scheißeflut durch Retweets.

Bildergebnis für patrick gensing faktenfinder mob hetze feine sahne fischfilet

Die einzige logische Erklärung für die seltsame Äußerung Kramp-Karrenbauers ist für mich: Ihr Büro, ihre Berater, oder sie selbst haben umpfzighundert Mails und Messages von rechten Hetzern bekommen, mit Hinweisen auf FSF und auf Steinmeiers Unterstützung. Statt nun das zu tun, was Demokraten und Verteidiger des Rechtsstaates tun sollten, nämlich das Getröte von rechts zu ignorieren, fand Frau Kramp-Karrenbauer es wohl richtiger, dem Druck des Mobs nachzugeben.

Dies ist, wie gesagt, nur eine Vermutung, aber wenn sie zutrifft, bereitet es mir mehr als nur ein wenig Sorge, wie wenig Standkraft und Rückgrat die so genannte gesellschaftliche Mitte hier dem braunen Scheißesturm entgegensetzt, und wie bereitwillig sie stattdessen seine Narrative übernimmt.

Wenn wir unsere freie, offene und vielfältige Gesellschaft vor undemokratischen, rechtsextremen, rassistischen Kräften schützen wollen, können wir uns auf die Hilfe der selbsterklärten Mitte nicht verlassen.

 

Mein erster Fernsehkrimi


Aus der Reihe: „Dinge zum ersten Mal machen“. Heute: einen Fernsehkrimi schreiben.

Es war dann doch ein wenig mehr Arbeit als erwartet und hat auch mehr Zeit benötigt als anfangs geschätzt, aber jetzt ist es endlich auf der Welt: mein Drehbuch für einen 90-minütigen Fernsehkrimi, einen Film für die Reihe „Wilsberg“ im ZDF. Das Script ist abgenommen, und der Film wird im Herbst gedreht.

Und ich bin fucking stolz darauf! Es ist ein gutes Drehbuch! Wirklich!

Video: Mit der Tram durch Hong Kong (Timelapse)

Auf Hong Kong Island fährt seit 113 Jahren ein ganz famoses Verkehrsmittel herum: die Doppeldecker-Tram, im Volksmund zärtlich „Ding Ding“ genannt.

Jüngst bin ich die komplette Strecke in beide Richtungen abgefahren und habe dabei auf dem oberen Deck ein Smartphone an die Frontscheibe gedrückt. Das Video habe ich dann siebenfach beschleunigt (es dauert jetzt nur noch gut eine halbe, statt original knapp vier Stunden), ein wenig Grading-Farb-Zuckerguss drüber gestreut und Musik von Mono druntergelegt (nein, undramatischer hatte ich es nicht 🙂 ).

Enjoy!


By The Port of Authority at en.wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link
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Der alte Orang-Utan von Hong Kong

Hong Kong besitzt einen eher kleinen Zoologischen Garten, der auf einem Berghang ruht; darin eine übersichtliche Zahl unterschiedlicher Tiere und die Abwesenheit von jeglicher Sensation.

In einem Open-Air-Käfig lebt ein Orang-Utan der so alt ist, dass er wahrscheinlich schon auf diesem Berghang saß, als die Briten die Insel in Besitz nahmen und in deren Norden, an einer felsigen Küste, die nicht so Malariamücken-verseucht war wie ihr erster Siedlungsort im heutigen Stadtteil Happy Valley, eine Siedlung gründeten, die sie in einer Kombination aus vollendeter Phantasielosigkeit und royalistischer Devotheit „Victoria Town“ nannten, so wie Briten damals ungefähr alles „Victoria“ nannte, was sie entdeckten, eroberten oder gebärten.

176 Jahre später heißt der Ort nicht mehr Victoria Town, die Queen heißt auch nicht mehr Victoria, die Briten haben kein Imperium und keine Mitgliedschaft im vereinten Europa mehr. Hong Kong ist sei 20 Jahren irgendwie ein Teil Chinas und dieses „irgendwie“ wird in spätestens 30 Jahren ganz verschwunden sein, höchstwahrscheinlich schon viel früher.

Der alte Orang Utan sitzt immer an der gleichen Stelle. Ich habe mir vorgestellt, dass irgendein pfiffiger Brite, der damals seine Queen Victoria beeindrucken wollte, rund um den bewegungslos am Berghang sitzenden Orang Utan herum erst einen hohen Käfig bauen ließ, und danach einen kleineren Zoologischen Garten, in den er schnell noch allerlei Getier einpflanzte, damit er eine stolze Depesche nach Windsor schicken konnten: „Meine Königin! Ich melde ergebens: Diese tropische Insel, die wir uns aneigneten, als Kriegsgewinn der Auseinandersetzungen mit China, das ja mit unserer Rolle als dortiger Drogenimporteur und Dealer schwerster, illegaler Suchtmittel aus uns unverständlichen Gründen ein wenig unglücklich war und deswegen den so genannten Opiumkrig gegen uns führte und verlor, diese Insel hat jetzt einen eigenen Zoo und einen Affen. Ist das nicht famos? Nur dass Sie Bescheid wissen, Mylady, falls Sie mal in der Gegend sind. Mit ergebensten Niederwerfungen, Lord Dings.“

Der alte Orang-Utan ist im Sitzen ungefähr so groß wie ich im Stehen, und ich bin groß im Stehen. Ich weiß nicht, wie viel er wiegt, aber er scheint mir eine absurd große Masse zu besitzen. Vermutlich könnte er ein Auto einfach platt sitzen oder ein Haus. Man könnte, nein, man müsste als Angehöriger der zerbrechlichen, schwächlichen Affenart Homo Sapiens eigentlich Angst haben vor diesem Koloss aus Muskeln, Fleisch und Fell. Aber ohne eigentlich dann doch nicht, denn er ist das traurigste Wesen der Welt.

Der alte Orang-Utan ist nicht einfach nur antriebsarm und lustlos wie viele Zootiere, er ist auch nicht einfach nur träge und gelangweilt wie noch mehr Zootiere. Dieser Orang-Utan hat die Traurigkeit aller Lebewesen des Universums auf sich genommen. Ich bin nicht religiös, und ich habe das Konzept, Jesus sei für unser aller Sünden gestorben, sogar dann, wenn wir zum Zeitpunkt seiner Ermordung noch gar nicht geboren und unsere Sünden somit auch noch gar nicht begangen waren, schon als Zehnjähriger als irrationalen Unfug abgelehnt. Aber die Theorie, in diesem Orang-Utan wohne gesammelt und verdichtet alle Betrübnis, alle Bedrücktheit, alle Düsternis, aller Jammer und alle Todessehnsucht aller Menschen, Tiere und Außerirdischen; und alles, was sie selbst in dieser Richtung verspürten, seien nur noch ein paar düster gesprenkelte Reste, die der Affe aus irgendwelchen Gründen – bisschen Schwund ist ja immer – nicht einsammeln konnte, erscheint mir hingegen durch und durch plausibel.

Der alte Orang-Utan sitzt und rührt sich nicht und schaut durch Gegenstände und Menschen hindurch. Er sieht durch die Fotografen hindurch, die ihm zuwinken. Er sieht durch die männlichen Teenager hindurch, die vor ihm herumspringen und Affen imitieren, dabei Geräuschen erzeugen, wie rechtsradikale Fußballfans sie in Fußballstadien ausstoßen wenn der gegnerische Spieler am Ball ein Schwarzer ist. Er sieht durch die Kinder hindurch, die versuchen, ihn mit Gegenständen zu bewerfen, aus dieser speziellen Sorte Grausamkeit heraus, die nur in Kindern wohnt.

Einmal, vor Jahren, sah er auch durch mich hindurch, auf irgend etwas, das mindestens kilometerweit hinter mir gewesen sein muss. Ich war in Gedanken bei dem Fotoapparat in meiner Hand, überlegte, ob sich vielleicht ein Objektivwechsel lohnen würde für ein Bild von diesem haarigen Muskel- und Fleischberg, oder ob das Motiv überhaupt etwas tauge, denn schließlich gibt es ja schon mehr als genügend Fotos von irgendwelchen Affen in irgendwelchen Zoos irgendwo auf der Welt.

Da sah er mich an, verschob den Fokus seines Blickes vom Irgendwo aufs hier, auf genau meine Netzhaut, von unendlich auf unendlich nah. Für die kürzestmögliche Zeitspanne, die unser Affenhirn erfassen kann, sah ich in dieses Schwarze Loch der Hoffnungslosigkeit, in diese endgültige Traurigkeitssingularität. Für diesen kurzen Moment gab es keine Freude mehr und keine Hoffnung, und es würde sie nie wieder geben, nirgendwo. Dann schaute er wieder ins Leere, entließ mich aus dem dunklen Schwerefeld. Schon nach ein paar Stunden konnte ich wieder ruhig atmen.

Seitdem besuche ich den alten Orang-Utan jedes Mal wenn ich in Hong Kong bin. Ich hoffe auf dem Weg in den Zoo immer leise, ein geschlossenes Gehege vorzufinden, mit einem Schild daran, auf Kantonesisch und auf Englisch, welches sehr bedauert, dass der alte Orang-Utan kürzlich gestorben sei, wo ihn doch alle Besucher so lieb gehabt hätten, die Teenager und die Kinder und Lord Dings und irgendwas mit Volksrepublik China Hurra, und vielleicht kommen ja irgendwann Pandabären, das wäre doch eine Sensation und bla.

Ich habe heute wieder nachgesehen. Der alte Orang-Utan lebt und das womöglich noch tausend Millionen Jahre.

Er hat mich nie wieder angesehen.

Ich habe ihn nie fotografiert.

#FreeDeniz

#FreeDeniz Anzeige als PDF

http://freedeniz.de/

Nach 13 Tagen Polizeigewahrsam in der Türkei hat ein Haftrichter am Abend des 27. Februar Untersuchungshaft gegen den deutschen Journalisten Deniz Yücel erlassen.

Mit der obigen Anzeige drücken 305 Menschen Deniz Yücel und allen anderen in der Türkei inhaftierten Kolleginnen und Kollegen ihre Solidarität aus. Sie erscheint in Tagesspiegel, SZ, Bild, Welt, B.Z, Die Zeit, Taz.

Die Anzeige richtet sich auch an die deutsche Regierung, mit der Forderung, auf die türkische einzuwirken, Deniz Yücel freizulassen und Meinungs- und Pressefreiheit zu respektieren.

Hintergrund:
Türkei-Korrespondent der „Welt“: Haftrichter verhängt Untersuchungshaft gegen Deniz Yücel

Hier könnt Ihr Euch direkt mitteilen:
Auswärtiges Amt
Kanzleramt
Türkische Botschaft Berlin

Ist er wach?

Viele Menschen fragen sich jeden Vormittag bangend, ob der Orangene Herrscher denn wohl bereits wach ist. Sie trauen sich jedoch nicht, dessen Twitter-Stream aufzurufen, aus Furcht vor den garstigen und verstörenden Dingen, die sie dort erwarten.

Für all diese geprüften Zeitgenossen gibt es nun @isOrangeAwake, den Twitter-Account von Donald Trump, ganz ohne die Tweets von Donald Trump.

Bitteschön! Gern geschehen! 🙂

Wenn das Internet…

Internet (Symbolbild)

Internet (Symbolbild)

WENN das Internet sich wirklich zum Medium der Entweder-Oder-Position entwickeln sollte, des politischen Ja-oder-Nein, Schwarz-oder-Weiß, 0-oder-1, des „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ – wonach es ja gerade irgendwie aussieht – DANN entwickelt es sich zum Medium derjenigen, die einfache Antworten auf komplizierte Fragen wollen – oder anbieten: Reaktionäre, Rassisten, Hetzer, Spinner, Esoteriker, Trumpisten, Pegidisten und alle, die der Überzeugung sind, Minderheiten hätten sich gefälligst der Mehrheit unterzuordnen, und DANN WÄRE ES GENAU NICHT das Medium der Aufklärung, des Diskurses, der Akzeptanz und des gesellschaftlichen Fortschritts. Dieser Gedanke bereitet mir gerade mittelgroßes Unbehagen.