#München

Mittlerweile ist bekannt: Der 18-Jährige Massenmörder von München

  • wurde von seinen Mitschülern gemobbt und isoliert
  • hat Türken und Juden gehasst
  • sagte „ich bin hier geboren, ich bin Deutscher“
  • hat im Internet Frauen beschimpft
  • befand sich in Therapie, wohl wegen Angststörungen
  • ist nach Winnenden gereist, um sich am Ort des dortigen Amoklaufes umzusehen

Diese Faktoiden ergeben das Bild eines verstörten, kranken jungen Menschen, aufgeladen mit Hass auf die Welt und auf sich selber.

Sich zu fragen, was man nun verändern muss an der Gesellschaft, an den Gesetzen, an der Welt, damit sich so etwas nicht wiederholt, ist nicht nur ein natürlicher Gedankenreflex, sondern auch der richtige Weg. Wir gehören in Deutschland zwar zu den reichsten paar Prozent dieses Planeten, trotzdem liegt auch hier einiges im Argen.

Psychotherapieplätz etwa haben eine Wartezeit von mehreren Monaten. Mobbing in der Schule ist ein Problem, das so alt ist wie die Schule selbst und das genau so lange mit Plattitüden a la „Lass dir das nicht gefallen“ oder „Ignorier sie einfach“ vom Tisch gewischt wird. Fremdenfeindlicher Hass, dem der Täter wohl ausgesetzt war, entwickelt sich in den letzten Jahren von einem Rand- zu einem Massenphänomen. Kurz: Es gäbe viele Ansätze, um auf dem Massaker vom Olympia-Einkaufszentrum herumzudenken, damit Menschen wie David S. künftig nicht noch einmal zu Mördern werden. Hier einige Vorschläge aus der Politik:

  • Bayerns Innenminister Herrmann fordert Unterstützung durch die Bundeswehr.
  • Innenminister De Maizière macht Computerspiele für die Tat mitverantwortlich.
  • Volker Kauder möchte die Sicherheitsbehörden stärken und wünscht sich eine Zusammenarbeit mit amerikanischen Geheimdiensten. Darüber hinaus ist er der Meinung, dass „diese Ego-Shooter-Spiele hinterfragt werden müssen“.
  • Der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl findet, Polizei und Nachrichtendienste müssten ihre Arbeit ausweiten. Außerdem beklagt er: „Wir haben ja ein etwas gestörtes Verhältnis zu unseren Nachrichtendiensten, das ist im Ausland anders.“

Man hat den Eindruck, die Herren reden allesamt über einen völlig anderen Vorgang. Aber es ist lediglich eine völlig andere Perspektive. In der konservativen Weltsicht kommt das Böse eben immer von außen: aus der Hölle, aus einem anderen Land, aus dem Beat-Radio oder eben aus diesem Internet, von wo aus irgendwelche ausländischen (!) Googlekonzerne die Gedanken der Jugend vergiften.

Wenn man Taten wie die in München verhindern will, muss man den mühsamen Perspektivwechsel nach innen vornehmen, in die eigene Gesellschaft hineinblicken, auf die eigenen Leute, auf die eigenen Werte. Wir müssen uns selbst fragen, wie so etwas passieren kann, nicht die Computerspielhersteller und nicht die Geheimdienste.

Der Amokläufer von München kam so wenig aus einem anderen Land, aus dem Internet oder von einem anderen Planeten, wie der von Ansbach, der von Winnenden, der von Emsdetten, der von Erfurt, der von Freising oder der von Bad Reichenhall. Das ist ein schmerzhaftes Eingeständnis und das bedarf drei Ebenen mehr Reflektion als das Behaupten simpler Kausalketten.

Der Attentäter rief: „Wegen Leuten wie euch wurde ich gemobbt. Sieben Jahre lang. Und jetzt muss ich ne Waffe kaufen, um euch abzuknallen.“

Ich habe große Zweifel, dass Computerspielverbote, der Einsatz der Bundeswehr im Innern oder mehr Befugnisse für die Geheimdienste den nächsten David S. verhindern können.

Quellen: Deutschlandfunk, SpOn, YouTube, FAZ, Welt, n-tv

Veröffentlicht von Mario Sixtus

Journalist, Autor, Fotograf

47 Kommentare

    • Ich stelle hierauf die Frage, wieviel Pluralität wollen wir in Deutschland leben?

      Dabei geht es nicht um eine Verhinderung bzw. Verringerung von Pluralität im Allgemeinen, sondern um meine Einschätzung, daß wir alle Individuen sind, die sich in unterschiedlichen Peer-Groups wohlfühlen. Jeder einzelne sollte sich aber fragen, ob er sich an seiner eigenen Selbstgerechtigkeit weiterhin in vollem Ausmaß ergötzen sollte, ab welchem Moment er bereits Mitverursacher gesellschaftlicher Diskussionen sein könnte und was er vielleicht tun kann, um nicht zum Mittäter zu werden. (Auch Unterlassung kann ja ein Teil der Mittäterschaft sein!)
      Da ist z.B. A) Der (möglw. unbewußte) Mobber, der in einem (mögl. unbewußtem) Anflug von Selbstgefälligkeit in einer Gruppe lebt, die gute Gründe sieht, andere Individuen auszugrenzen und zu verhöhnen. Klar: es wird millionenmal gemobbt, bevor es zu Suiziden kommt, noch seltener zu Suiziden erweiterter Art, wie jetzt offenbar in München.
      Trotzdem sehe ich ein Gegenmittel zu A): Vielleicht trägt der o.g. Artikel bei einigen Menschen dazu bei, ihr Verhalten zu hinterfragen, und demnächst zurückhaltender vorzugehen bzw. sich Mobbing klar entgegenzustellen.
      Weiterhin fällt mir z.B. Peer-Group B) ein: Der Autbahn-Schnellfahrer. Nie würde er für ein Geschwindigkeits-Limit eintreten, und immer betonen, welches Recht er doch habe, regelmäßig 180km/h und mehr auf der ‚Bahn zu fahren. Ab und an kommt es dann zu schweren Unfällen, wie der des Mercedes-Testfahrers auf der A5, wo Mutter und Kind ums Leben kamen. Schrecklich genug, obwohl die Statistik beweist: Autobahnen sind die sichersten Straßen (1 tödlicher Unfall pro Millionen gefahrener Kilometer über 130km/h)
      Gegenmittel zu B) Man kann, analog zum ADAC, ja für freie Fahrt einstehen, und die guten Sicherheitsreserven eines heutigen Autos auch mal nutzen. Es wäre aber schön, wenn solche Leute gleichzeitig auf die Restrisiken hinweisen, und sich so höflich gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern verhalten, daß selbst unter Schnellfahrern eher positive Beispiele entstehen. Langsamfahrer haben ihren Teil zu §1 STVO (Gegenseitige Rücksichtnahme) einzuhalten. Wir sehen also, Pluralismus wird auf Deutschlands Straßen groß geschrieben, und, solange es auch gelebt wird, positiverweise vom Gesetz her in Schranken gewiesen.
      Dann fallen mir als C) fundamentale Glaubensgemeinschaften diverser Couleur ein. Ja, sie haben in unserem Land das Recht auf freie Religionsausübung. Da können sie hinter verschlossenen Türen auch Praktiken und Einstellungen leben, die in der Breite unserer Gesellschaft als fremd wahrgenommen werden. Im öffentlichen Leben haben aber Elemente wie Kreationismus, Geschlechterdiskriminierung und Scharia-Polizei im Ansatz nichts zu suchen. Sie schüren Abgrenzung und Konflikte bei der Art, wie wir unser Zusammenleben als Mehrheitsgesellschaft gestalten können.
      Gegenmittel: Man kann für freie Religionsausübung einstehen, aber sich gleichzeitig bewußt werden, daß eine („willentliche“) Ausgrenzung auch sozioökonomische Folgen zunächst für den Einzelnen haben dürfte, später bei massiven Abgrenzungserscheiungen evtl. auch sozioökonomische Folgen für die Gesamtgesellschaft mit sich bringt. Deswegen gilt zu Überlegen, dieser Art des übertriebenen Pluralismus in der eigenen Peer-Group vielleicht auch mal mit mäßigenden Aussagen und Taten entgegen zu treten.
      Man nenne mir noch hundert anderer Beispiele für Pluralismus, aber D) Computerspiele will ich hier, um auf den Blog zurückzukommen, nicht ausnehmen. Natürlich hat jeder (der hoffentlich über geistige 18 Jahre alt ist) hier in Westeuropa die Möglichkeit, militärisch geprägte Computerspiele (und ähnlich gelagerte Sportarten) zu betreiben. Und ja, auf 1 Million Computerspieler kommt wohl nur ein Schußwaffenmißbrauch.
      Gegenmittel: Ich kann mich zum Spielen solcher Spiele bekennen, bzw. sie tolerieren. Das Verhalten, das darin gezeigt wird, ist massenhaft Spielern bekannt, und trotzdem (welch banale Aussage!) im öffentlichen Leben nicht mehrheitsfähig. Man sollte die Tatsache, daß wenige Menschen diesen Unterschied nicht sauber herauslesen können, nicht zur Verharmlosung nutzen, und sich wie jeder andere, der privat Dinge tut, die nicht per se mehrheitsfähig sind und dem Gedeihen der Gesellschaft aktiv dienen, auch in der Wirkungsbreite beleuchten wollen. Mit anderen Worten: die Risiken ernstnehmen und diskutieren.

      Manchmal wird uneingeschränkter Pluralismus als Allheilmittel für die Beibehaltung des Lebens in unseren westlichen Ländern hervorgehoben. Auch in der Lesart, „Alles was war, ist gut. Alles was von außen kommt, und meine Kreise stört, ist doof.“
      Ich nannte nun die Grenzen des Pluralismus: Jeder darf so farbenfroh (oder eben düster) leben, wie er will. Aber Jeder, der sich von öffentlichkeitstauglichem Verhalten abgrenzt und spezielle Neigungen kultiviert, sollte auch bereit sein, rote Linien zu zeichnen, um in seiner Gruppe die Wahrnehmung gegenüber Abdrifterscheinungen stets wachzuhalten.
      Das ist die Verantwortung, die man trägt, wenn Staatsräson nicht wie in Despotenstaaten von oben diktiert wird, sondern wenn wir schon freimütig entscheiden dürfen, was gut ist für uns selbst, und hoffentlich auch für die weitestgehend tolerante Gesellschaft, in der wir gerne leben wollen.

  1. Kann ich voll und ganz zustimmen!
    Allerdings muss doch immer schnell ein Schuldiger her und schnelle Aktionen. Die Perspektive zu wechseln dauert da wohl zu lange..

  2. Pingback: #München | Mario Sixtus | thomasnesges/fb2wordpress

  3. Die erste Analyse der Geschehnisse, der ich zu 100% zustimme!

  4. … auch die andiskutierte Verschärfung des dt. Waffengesetzes unter dem Aspekt, dass 95% der Straftaten mit illegalen Waffen verübt werden, ist imho nicht zielführend. Danke für diesen Artikel.

  5. Wahre Worte und alles kurz und knapp zusammengefasst. Danke.

  6. Sehr gut und verbleibt noch zu sagen, dass auch dieser Perspektivwechsel -wäre er schon vor Jahren begangen – die Tat nicht mit 100% hätte verhindern können. Aber die Chance wäre um 100% höher als bei jedem Vorschlag aus der Politik. Und – und das ist für mich genauso wichtig, er würde den vielen anderen, die genauso stark leiden, aber nicht zu Amokläufern werden auch noch helfen. Win-win!

    Denn auch das ist eine der Forderungen, der konservative nSicherheitspolitiker; Sicherheit, als Supergrundrecht oder ähnliches. Es gibt keine 100% Sicherheit.

  7. Wie so oft wundert man sich, wie aus der Politik nur leere, verbrauchte Phrasen kommen können, wo die eigentlich Probleme offen auf der Hand zu liegen scheinen.
    Danke für diesen Text!

    • Dem schließe ich mich an. Das gleiche mit den üblichen verdächtigen in den Talk Shows. Als moderner Mann, ende zwanzig, fühle ich mich nur noch verarscht. Politiker die Phrasen säuseln, das Fernsehen was wieder dieselben Leute einlädt, die schon damals bei anderen Debatten nichts beizutragen hatten und das alles, obwohl die Lösungen quasi auf der Hand liegen, dass man ganz woanders ansetzten muss.

  8. Über die kulturellen Codes des Miteinanders wird leider zu wenig diskutiert. Nach innen zu schauen ist meist aufwendiger und bringt keinen schnellen, „sichtbaren“ Ergebnisse. Danke.

  9. Pingback: Was lernen Wir daraus? | Alles, ausserdem Wetter

  10. Danke für diese bedachte Stimme – gegen all die anderen, fast schon hysterischen.

  11. Gegen dieses neue Darknet muss mehr getan werden.
    Ich fordere: umfassende Vorratsdatenspeicherung und Videoüberwachung im Darknet.

    Und gegen die Dunkelheit dort hilft nur drastisch mehr Beleuchtung: Die Energiewende muss zurückgedreht werden, wir brauchen Laufzeitverlängerungen für AKWs.

  12. Wenn man es nicht auf den Islam schieben kann, müssen die Gewaltvideos und -spiele herhalten. Mich wundert’s, daß noch niemand das Wort „Killerspiele“ in den Mund genommen hat. Ist wohl nur eine Frage der Zeit.

  13. Dieser Beitrag verdient größte Reichweite in den Medien und gehört in den Unterricht an den Schulen.
    Wie peinlich und deplaziert dagegen die „Antworten“ derjenigen, die wir gewählt haben.

  14. Hi Sixtus,

    stimme Dir auch voll und ganz in der Analyse zu!

    Allein nimmt die Gesellschaft in Deutschland eine Entwicklung, die durch die gestrigen Ereignisse in Reutlingen und Ansbach eher noch beschleunigt werden wird, wo wir uns wahrscheinlich weiter in Richtung auf eine „Law-and-Order“-Republik hinbewegen werden.

    Genau die von Dir angemahnte Ruhe bei der Analyse wird hier in den kommenden Tagen und Wochen notwendig sein. Man muss jedoch eher Schlimmes von AfD und Co. befürchten…

    • Warum musst Du von der AfD und Co schlimmes befürchten?
      Hast Du Angst das sie Sagen kriminelle sofort Abschieben oder Migranten an den Grenzen Stoppen?
      Oder wie es auch Seehofer RICHTIG sagt, eine ganz klare Obergrenze von 200000 Migranten jährlich MUSS her, um die Zuwanderer auch richtig unter Kontrolle bekommen zu können?
      Oder das die Illegalen sofort wieder abgeschoben werden MÜSSEN?
      Das ist doch im Grunde genau das was die allermeisten in Deutschland/sogar Migranten selbst, inzwischen Denken.
      Also wo ist da das Problem?
      Wichtig ist erst einmal nur, das die AfD z.B., in der Öffentlichkeit steht und man ihr Zuhören MUSS und sie nicht einfach Ignorieren und Übergehen kann wie den kleinen blöden Bürger.
      Wenn Du die selben Möglichkeiten hast, dann walte Deines Amtes, dann können wir Bürger uns die AfD z.B. ja Sparen!
      Übrigens:
      Wenn ich die Islamisierungspolitik der GRÜNEN oder das Bestreben von MERKEL/OBAMA Deutschland bzw. Europa zu Zerstören sehe, dann habe ich vor denen viel mehr Angst wie vor der AfD.
      Die AfD ist meistens nur Leuten ein Dorn im Auge, die mit der MERKEL-OBAMA-GRÜNEN-Politik einverstanden sind und am liebste auch noch Clinton in diesen Kreis Wählen würden.
      Ich für meinen Teil, unterstütze als ehemaliger SPD-Wähler die AfD solange, bis sichergestellt ist, das alle meine Enkelkinder ohne irgendwelche Ängste haben zu müssen, in 20 Jahre noch Kirchlich und in weiß Heiraten können, wenn sie es dann wollen!!!

  15. Die von Ihnen genannten Ansätze würden ja nicht nur für eine bessere Amokprävention sorgen, sondern darüber hinaus auch für eine gerechtere und humanere Gesellschaft. Wo kämen wir denn da hin?!?

  16. Pingback: Nach München: Die Spielekiller sind zurück [Kommentar] | t3n

  17. Pingback: München und Angst | CoolCatsCologne.de

  18. Absolut richtig. Man darf bitte auch eines nicht aus den Augen verlieren. Wenn man total Aggressiv aus der Schule oder Universität nach Hause kommt, weil der Leistungsdruck mal wieder unerträglich war oder das Mobbing nicht aufhören will, dann helfen Computergames und Egoshooter etwas Frust abzubauen. Wenn man die verbieten würde, würden noch mehr Leute ihren Frust an der Realität entladen.

    Das sei bitte auch mal gesagt. Computergames tragen eher zu mehr Frieden bei, weil sie auch soziale Aufgaben übernehmen oder schlicht virtuelle Punchingballs sind!

    • Absolut richtig!
      Gerade die so oft diffamierten „Killerspiele“ sind für viele junge Menschen ein wichtiges Ventil, um Frust abzubauen.

    • Leute die mit solchen Killerspielen glücklich sind, sind natürlich dagegen wenn sie verboten wären. Leider ist es aber auch so, das einige Spieler irgendwann nicht mehr damit zufrieden sind nur virtuell Menschen abzuschlachten und es auch mal in echt erleben wollen.
      Dazu kommt dann noch das allmähliche Absinken der Hemmschwelle vor Straftaten, durch die tägliche detaillierte Berichterstattung über Gewalttaten in den Medien.
      Ich finde es lächerlich, wenn man behauptet das irgendjemand ausgerechnet „Killerspiele“ braucht um Frust abzubauen. Das ist doch krank!!!!!
      Ich kenne sehr viele Leute, mich eingeschlossen, die keine „Killerspiele“ Spielen und trotzdem keine Menschen Umbringen!
      Ich bin überzeugt, das es gerade die „Killerspiele“ sind die die Hemmschwelle senkt und manche Leute zu Straftaten Anregen.

      • Der angebliche Zusammenhanhang zwischen dem Spielen von Ego-Shootern und individueller Gewatltbereitschaft wurde in den lketzten Jahren intensiv erforscht. Allein die Uni Bielefeld hat eine 15-jährige (!) Langzeitstudie durchgeführt. Ergebnis all dieser Untersuchungen: es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Gewalt am Rechner und Gewalt in der Kohlenstoffwelt. Hat Du vielleicht Erkenntnisse, die diesen widersprechen? (Abgesehen von „gefühlter Wahrheit“?)

  19. Wie genau sollten jetzt die oben angedeuteten Ansätze aussehen und in die Tat umgesetzt werden? Von welchen „Werten“ ist die Rede? Ich wurde auch gemobbt und kämpfe immer noch damit.

  20. Voll ins Schwarze getroffen! (dass damit auch gewisse politische Parteien im Ziel sind, ist sicherlich kein Zufall)
    Vielen Dank und herzliche Grüsse,
    Herr Ärmel

  21. Ein sehr richtiger Artikel, dem ich hinzufügen möchte: Die überbordende Berichterstattung in den Medien ruft nicht nur markige Politikersprüche hevor, sondern regt auch Nachahmer an. Zurückhaltende Informationen ohne den Namen des Attentäters wären hier angebracht, denn: Erweiterte Suizide werden eben gerade auch wegen der Aufmerksamkeit, die diese Taten bekommen, begangen.

    • @Monika: Mittlerweile gibt es in Schulen gute Präventionsprogramme gegen mobbing. Diese basieren auf der psychologischen Erkenntnis, dass der mobber das Problem ist, nicht das Opfer- mobbingopfer werden von aggressiven Personen völlig zufällig als Zielscheibe ausgewählt. Als (hoffentlich ehemaliges) Opfer muss man sich also in keiner Weise schuldig an diesen Attacken sehen. Vielleicht hilft das weiter.
      Amoktäter haben aber eher ein anderes Problem, nämlich eine Neigung zu narzisstischen Störungen. Sie haben also das Gefühl, nicht genug Beachtung zu finden.

  22. Den Anderen zuerst zu sehen ist schwieriger für Menschen mit narzisstischen Holzbeinen. Mobbing ist eine Art Unsicherheit des Täters, sich besser zu fühlen auf Kosten anderer. Auch die Eltern von Mobbing-Opfern sind gefragt genauer hinzuschauen. Ich denke, dass es für manche Kinder und Jugendliche schwerer ist das Mobben so zu reflektieren und kommunizieren, dass es bei den Eltern oder Mitmenschen ankommt.

    Ich hoffe, dass wir auf keinen Empathie-Mangel zu steuern und einfache Lösungen für Probleme am falschen Vorgang suchen. Und wir sollten den neuen Bürgern des Landes Chancen geben Deutschland zu bereichern, es Teil Ihrer Identität werden zu lassen und denjenigen, die es ausnutzen oder den Frieden stören klare Grenzen zeigen.

  23. Genau das ist der springende Punkt! Noch härtere Gesetze etc. bringen uns nicht weiter. Sie schüren nur noch mehr Angst anstatt Sicherheit zu vermitteln.

    Menschen wie ihm und den anderen Amokläufern hätte im Vorfeld schneller geholfen werden müssen. Anlaufstellen wie Jugendberatungsstellen, Psychotherapeuten etc. müssen einfach präsenter und ohne Wartezeit (-> Konsequenz: mehr Kassensitze für Therapeuten frei geben!) verfügbar sein; das bedeutet allerdings auch ein starkes Umdenken in der Gesellschaft.
    Menschen in problematischen Situationen als „schwach“ oder Menschen in Psychotherapie als „verrückt“ hinzustellen, fördert schlichtweg Stigmatisierung. Hinschauen und helfen statt wegschauen!

  24. Sehr gut auf den Punkt gebracht. Da will nur niemand hinschauen. Das Böse im Aussen zu beschuldigen ist einfacher. Ich möchte da noch weiteres ausführen: Die Diskussionen über die letzten Anschläge in Paris, Nizza, Münschen, Ansbach usw. laufen genauso in die falsche Richtung. Viele fragen sich „Wie kann jemand nur so etwas tun?“ – Anstatt eine Antwort zu suchen, zu finden oder zu geben, fallen wir in eine kollektive Ohnmacht und rufen immer nur nach mehr Sicherheit, Überwachung und Vergeltungsschläge (im Falle eines vermuteten IS-Hintergrundes) Warum tun Menschen dies? – Wer interessiert sich wirklich für die wahren Hintergründe? – Die sind so einfach und ersichtlich: kein Mensch ist von Natur aus böse, gemein oder menschenverachtend. Da steckt eine Biografie dahinter, warum jemand zu so was wird. Unsere Gesellschft „produziert“ leider zunehmend solche Menschen. Also sollte Mensch doch schauen, was wir hier miterschaffen: wir zerbomben jahrelang Länder und erschaffen dadurch traumatisierte Menschen, die unsägliches Leid und Elend erfahren haben – und vielleicht deshalb zu Terroristen werden. Wir glauben, nichts damit zu tun zu haben. Weit gefehlt! Wir Deutsche sind der 4. größte Rüstungsexporteur weltweit. Glauben wir denn wirklich, das Flüchtlinge und Terroristen nichts mit unserem Verhalten zu tun haben? – Wer Krieg sät – wird Flüchtlinge und Terroristen ernten. Es gibt in der Öffentlichkeit kaum eine Diskussion darüber. Es wird so getan, als wenn die Flüchtlinge oder die Terroristen eine Art Naturkatastrophe wären. Nicht vorhersehbar – nicht erklärbar. Bitte liebe Leute öffnet euren Verstand und eure Herzen. Ehrlich gesagt, mich wundern diese Ereignisse nicht. Im Gegenteil: ich wunder mich, das nicht noch mehr Menschen „durchknallen“. – Wir sollten echt hinschauen – und werden auch immer heftiger dazu gezwungen. Jetzt gibt es schon Amokläufe und Anschläge in deutschen Städten. Wie nah soll es noch zu uns kommen, damit wir es endlich ehrlich reflektieren? – Stoppt z.B. alle Waffenverkäufe und Krieggseinsätze, dann gibt es keine Flüchtlinge mehr – und den Terroristen wird der Nährboden entzogen. Mit Religion haben die Anschläge eh nichts zu tun. Auch wenn jetzt alles in diesen Topf geschmissen wird.
    Menschen „rasten“ auch zunehmend aus, wenn sie jahrelang ein Leben in schwierigen und unsozialen Umständen führen (müssen). Da hilft die Gesellschaft zu wenig. Gebt z. B. allen ein bedingungsloses Grundeinkommen und alle können sich entspannen und ein (finnaziell) sorgenfreies Leben führen. Erzieht z.B. die Kinder zu empathischen und wohlwollenden Wesen anstatt sie mit Leistung und Druck zu drillen.
    Ich könnte hier noch viel mehr Beispiele aufzählen. Wir werden nicht von den Konsequenzen unseres eigenen Handeln in Ruhe gelassen. Europa ist keine sichere Bastion. Lasst uns den wahren Ursachen widmen und diese beseitigen. Es gibt keine andere Chance. Warum also noch länger warten? – Bitte sprecht alle diese Zusammenhänge aus ! – Lasst es nicht zu, das skrupellose und machtmissbrauchende Eliten, die ganze Menschheit in Leid und Elend stürzen. Das ist Absicht, keine Naturkatastrophe! Es soll ein Klima von Angst, Panik und Ohnmacht erzeugt werden, damit wir schneller unsere Freiheit durch mehr Sicherheitsbestimmungen und Überwachung aufgeben. Arme und eingeschüchterte Menschen sind besser „regierbar“ als freie und kreative Wesen.
    Hinterfragt die Zusammenhänge und glaubt den Medien nicht alles. Fragt euch: In welcher Welt wollen wir denn leben?

  25. Pingback: Über das große Ganze.  | franziskript.de

  26. Und die Lösung des Problems? Ein neues Schulfach mit dem Namen „Lebensschule“ könnte weiter helfen, in dem Empathie, Solidarität, Respekt, Achtung, Gemeinsinn, Verantwortung etc. pp. ausführlich behandelt werden.

    Der zweite Lösungsansatz wäre die Einführung einer einheitlichen Schulkleidung. Selbstwertgefühl wird aufgrund von Persönlichkeit und Sozialkompetenz erworben, nicht über die Identifikation mit Markenkleidung. Nicht nur ich teile die Ansicht, dass eine einheitliche Schulkleidung zu höheren Lernergebnissen und zu einer besseren Integration ausländischer Schüler/innen führen würde.

    Grüße in die Runde …

  27. Pingback: eds blog

  28. Pingback: #DailyLobGesäusel – Die Veränderung der Medien – cdv!

Autor: Mario Sixtus