Über Fotografie, Kommunikation, dämliches Grinsen und den öffentlichen Raum

Sie sehen hier ein äußerst riskantes Dings: Foto von zwei unbekannten Menschen auf der Straße

“A to B” nennt sich die kleine Fotoserie des Fotografen Espen Eichhöfer, die er 2013 anlässlich des Umzugs der Galerie c/o Berlin produzierte: Menschen am Bahnhof Zoo, Unterwegssein, Momente des Übergangs, die Großstadt als permanenter Transit. Ein schönes Projekt, das jetzt zum Auslöser eines Rechtsstreits wird, der nicht nur mal eben die Fotografie als Kunst- und Dokumentationsform gefärdet, sondern womöglich auch unser aller Möglichkeit, visuell  miteinander zu kommunizieren und obendrein auch noch unser Verständnis von Öffentlichkeit. Nein. Eine Nummer kleiner geht es nicht.

Wirklich, Herr Richter, der Mann lief mir einfach ins Bild. Was hätte ich denn tun sollen?

Usprünglich war das Foto einer Frau im Leopardenmantel Teil der “A to B”-Serie. Als die abgebildete Dame jedoch davon erfuhr, dass sie Objekt einer Fotoausstellung war, verklagte sie den Fotografen und die Galerie auf jeweils 4.500 Euro Schmerzensgeld. Das Landgericht Berlin lehnte die monetäre Forderung zwar ab, befand jedoch, dass Eichhöfer mit seinem Foto das Persönlichkeitsrecht der Frau verletzt hatte. Das Bild darf nun nicht mehr gezeigt werden.

Auch diese Dame wollte vermutlich nicht fotografiert werden. Zumindest entnehme ich das ihrem Blick. Im Dienste der Kunst habe ich ihren Wunsch jedoch ignoriert.

Mit diesem Urteil sehen viele Vertreter der Foto- und Kunstwelt das Genre der künstlerisch-dokumentarischen Straßenfotografie in Gefahr, denn die lichtet traditionell Menschen in ihrer natürlichen Umgebung ab.

Lutz Fischmann, Geschäftsführer des Fotografenverbandes Freelens sagt dazu in der Berliner Zeitung:

“Man kann sicherlich behaupten, dass alle wichtigen Fotografien der letzten 175 Jahre, auf denen Menschen abgebildet sind, ohne die notwendige Einwilligung der abgebildeten Personen entstanden sind. Es sind allesamt Ikonen der Fotografie – ohne sie wäre unsere Welt ärmer und wir würden viele Geschehnisse heute nicht mehr verstehen und darstellen können, hätten wir diese Fotos nicht.”

Eichhöfer in der gleichen Zeitung:

“Für nachfolgende Generationen wäre es dann nicht mehr möglich, zu sehen, wie das Leben auf der Straße 2015 aussah.”

Mit einem einzigen Schuss gleich drei Persönlichkeitsrechte verletzt. Aber: Wen hätte ich fragen sollen? Das Kind? Oder auf seine Eltern warten? In dieser Zeit wären natürlich die beiden Personen auf der Rolltreppe entwischt – aber das wären sie auch so. Kurz: Dieses Foto konnte nur unter Missachtung des geltenden Rechts entstehen.

“Frag doch vorher” oder “frag doch hinterher”, lauten die beiden Standardratschläge, die einem unsichtbaren Fotografiedebattennaturgesetz folgend, immer wieder von irgendjemandem in den Raum geworfen werden. Sie sind beide nicht realisierbar. Der letztere aus praktischen Gründen nicht: In der Straßenfotografie gelangt man in der Regel nur über den Umweg der Quantität zur Qualität. Nach einem Fotografiertag auf der Straße kann es durchaus sein, dass man ein paar hundert Bilder auf der Speicherkarte mit nach Hause bringt, von denen man nach langwieriger Sichtung vielleicht ein oder zwei als einigermaßen gelungen betrachtet. Soll man als Fotograf also allen Ernstes vorsorglich hunderte von schriftlichen Verwertungsgenehmigungen einholen, inklusiver der damit verbundenen Erklärarbeit; all das für Fotos, die man dann sowieso niemals für irgend etwas verwendet?

Und warum der “Frag vorher”-Ratschlag nicht funktioniert, das versteht auch jeder Nicht-Quantenmechaniker: weil die Objekte der Beobachtung durch die Gewahrwerdung ebendieser ihr Verhalten ändern. Damit ist der dokumentarische Wert des Fotos verloren. Oder anders ausgedrückt: Wenn Menschen wissen, dass sie fotografiert werden, dann grinsen sie dämlich.

Immer wieder ein interessantes Phänomen: Mit Hilfe einer gewöhnlichen Fotokamera lässt sich die Natürlichkeit der Fotografierten auf nahe null herunterfahren.

Espen Eichhöfer möchte nun ein Grundsatzurteil erstreiten und sammelt für die zu erwartenden Gerichts- und Anwaltskosten auf Startnext. Auch wenn er das Ziel von 14.000 Euro bereits erreicht hat, sollte man ihn darüber hinaus unterstützen: So ein Rechtsweg kann langwierig und teuer sein.

Link: https://www.startnext.com/streetphotography

All das betrifft erstmal nur die Straßenfotografie. Und wer mag, kann all das natürlich als eine Orchideen-Diskussion abtun (“Habt Ihr denn keine anderen Probleme!!11!drölf!??”). Aber der Fall Eichhöfer zeigt exemplarisch, wie kleinteilig – man könnte auch sagen: wie komplett kaputt – Recht und Gesetz im Bereich der Fotografie in der Öffentlichkeit sind.

Fotos in und von der Öffentlichkeit: eine vermeintlich kleine Debatte, die jedoch einen langen Schatten wirft (Aus der Reihe: Bildunterschriften wie aus der Kreiszeitung.)

Wer auf der Straße eine Kamera zückt, der versinkt prompt bis mindestens zum Auslöser in eine juristische Sumpflandschaft. Er bekommt es mit Persönlichkeitsrechten zu tun, mit Urheberrechten, mit Pressefreiheit, mit Kunstfreiheit – und mit deren jeweiligen Abwesenheiten: Ist die Person auf dem Bild erkennbar oder ist sie nur Beiwerk des Gebäudes dahinter? Unabhängig davon: Darf man das Gebäude überhaupt fotografieren? Und jene Person? Ist sie vielleicht eine der Zeitgeschichte? Immerhin hat sie ja ein Blog, glaube ich, oder? Was ist mit Demonstrationen? Mit Straßenfesten? Mit Konzerten? Wie verhält sich das Recht in Einkaufszentren? In Museen? Auf Sportplätzen? In der U-Bahn?

Was fehlt: eine Erleuchtung

Um die Sache noch zu verkomplizieren, unterscheidet das geltende Recht zwischen der Aufnahme eines Fotos und seiner Veröffentlichung: Wer sich zu Unrecht fotografiert fühlt, der darf vom Fotografen nicht – wie oft fälschlich angenommen – die Löschung dieses Bildes verlangen, sondern lediglich dessen Nichtveröffentlichung. Im Internet-Zeitalter ein eher theoretisches Recht.

Und weil das alles offenbar noch nicht ausreicht, den simplen Vorgang eines Fotoschusses auf das Kompliziertheitsniveau einer diplomatischen Depesche von Süd- an Nord-Korea zu heben, hat die Koalitionsregierung jüngst im Empörungswindschatten der Edathy-Affäre einen juristischen Schrotschuss abgefeuert, von dem jetzt noch gar nicht abzusehen ist, wie groß der Schaden für den fotografierenden Teil der Bevölkerung sein wird.  So heißt es im neuen § 201a Abzatz 2, dass künftig bestraft wird,

“… wer unbefugt von einer anderen Person eine Bildaufnahme, die geeignet ist, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, einer dritten Person zugänglich macht.”

Unschärfere Formulierungen konnte der Gesetzgeber offenbar gerade nicht auftreiben: Fügen also beispielsweise die getwitterte Aufnahmen einer betrunkenen Person dem Ansehen ebendieser erheblichen Schaden zu? Auch im Karneval? Was ist mit Menschen, die sich auf Fotos einfach schlecht getroffen fühlen? Die sich auf Bildern zu dick, zu alt, zu hässlich finden?

Fügt dieses Foto dem Ansehen der darauf abgebildeten Person Schaden zu? Vielleicht sogar erheblichen? Wer entscheidet das? Ein Anwalt? Ein Richter? Die Person selbst?

Auf Spiegel Online stellt der Medienrechtsanwalt Thorsten Feldmann die Frage nach einer Auswirkung dieses seltsamen Schnellschussgesetzes auf die Berichterstattung über Zeitgeschichte:

“Dürften Medien noch immer das berühmte Hitlergruß-in-durchnässter-Jogginghose-Foto aus Rostock-Lichtenhagen veröffentlichen? Das stellt den Fotografierten ja in jedem Fall bloß.”

Zurück zu unserem Fotografen auf der Straße: Bevor der nun auf den Auslöser drückt, muss er sich als gesetzestreuer Bürger eigentlich all diesen genannten juristischen Klumpatsch durchs Hirn gehen lassen. Bleibt die Frage, wozu es Kameras mit immer schnellerem Autofokus gibt, wenn der Fotograf doch sowieso vor jedem Foto Stunden der Gesetzesmeditation in Paralyse verbringt.

Dieser Fotograf überlegt seit dreieinhalb Tagen, ob der Schnappschuss, den er vorhat, juristisch einwandfrei ist

Diese undurchsichtige und unabwägbare Rechtslage führt im Alltag zu einer Art gefühltem Recht. Der öffentliche Raum quillt über vor Aussagen, nein, meistens eher Ausrufen wie: “Du darfst hier nicht fotografieren”, “Du darfst mich nicht fotografieren”, “Du darfst mein Kind nicht fotografieren”, “Du darfst mein Haus nicht fotografieren”, “Du darfst mein Auto nicht fotografieren”, “Du darfst meinen Hund nicht fotografieren.” Das ist zwar meistens Bullshit, aber darüber darf man sich nicht wundern: Wo die Eindeutigkeit fehlt, da wuchert die Esoterik.

Mensch mit Massenmedium: Wie das geltende Recht sich die Rezeption einer Veröffentlichung vorstellt

Aber es ist in Wahrheit alles noch viel schlimmer: Alle oben angesprochenen Gesetze, Rechte, Regelungen, Stolperfallen und Tretminen stammen noch aus der vordigitalen Zeit, aus einer Ära, als die “Veröffentlichung” eines Fotos noch “Zeitung” oder “Zeitschrift” bedeutete, als sie die Ausnahme war und nicht die Regel. Aus einer Zeit, als noch nicht jeder Mitmensch eine Fotografiermaschine mit eingebauter Publikationstaste permanent in den Händen hielt.

Fotografie im Jahre 2015 ist viel mehr als Kunst, als Dokumentation oder als Journalismus – Fotografie ist Kommunikation. Menschen schießen Selfies und mailen sie im gleichen Moment an Freunde, oder sie kleben sie an ihre Facebook-Wand. Sie fotografieren sich in Umkleidekabinen und sie lassen ihre Freunde mitentscheiden, ob ihnen die Kleidung steht. Sie fotografieren Konzertplakate als Gedächtnisstützen und ihr Mittagessen einfach nur so. Sie knipsen U-Bahn-Haltestellen und die dort Wartenden für Instagram, U-Bahn-Mitfahrer für Twitter, Katzen in der U-Bahn für Facebook und sie veröffentlichen den U-Bahn-Fahrplan auf Flickr, für ihre Freunde, die nächste Woche zu Besuch kommen. Ob dabei irgendwelche Personen mit auf den Bildern zu sehen sind und wie groß oder klein – Kollateralmotive sozusagen: who cares?

Fotos zu publizieren, für kleine oder größere Öffentlichkeiten, ist 2015 so alltäglich wie die Ich-komme-etwas-später-SMS es 1995 war. Wer mag, darf jetzt eine Gerätegeneration weiterdenken, in Richtung Datenbrillen und sonstiger Wearables, die schon bald so selbstverständlich sein werden, wie es heute Smartphones sind. Sie bringen mit: Fotos per Sprach- oder Augenblinzel-Steuerung und wer weiß was noch.

Und dann wären da auch noch Lifelogging-Devices, kleine ansteckbare Geräte, die automatisch den Alltag des Nutzers in Fotoserien dokumentieren – und diese ins Web laden. Willkommen in der Ära der Dauerfeuer-Fotografie-Publikation.

Selfie: Fotografie ist Kommunikation

Fotografie ist Kommunikation. Jede Regel, jedes Gesetz, das heutzutage Fotografie im öffentlichen Raum betrifft, betrifft unser aller Kommunikationsvermögen. Fotografieverbot heißt somit Kommunikationsverbot oder metaphorisch: Sprechverbot. Zur Erinnerung: Wir reden hier über den öffentlichen Raum, einen Ort, der eigentlich ein Ort des Austausches, der Kommunikation sein sollte.

PadHead, knipsend: Fotografie ist Kommunikation

Ich bin davon überzeugt, dass in Sachen Fotografie im öffentlichen Raum all das rechtliche Gezerre um Kunst- und Pressefreiheit auf der einen Seite und um Urheber- und Persönlichkeitsrecht auf der anderen um Lichtjahre zu kurz greift. Nur Juristen freuen sich über solch ein bröseliges Ordnungssystem, das ihnen immerzu neue Einzelfälle beschert, über einen Rahmen, in dem sie allein entscheiden dürfen, was denn nun Kunst ist, wie weit das öffentliche Interesse heute mal gehen darf, welche Intention wahrscheinlich mit einer bestimmten Fotografie verbunden war und wie akzeptabel das Ablichten einer Person genau dann ist, wenn sie drei Zwölftel eines Bildes ausfüllt. Juristen finden das toll, denn davon leben sie schließlich. Bürger können dabei nur verlieren: Zeit, Nerven und Geld.

Noch n Selfie. Denn: Fotografie ist Kommunikation

Wir werden im Laufe dieses Jahrzehntes nicht darum herum kommen, klar zu definieren, was uns als Gesellschaft der öffentliche Raum bedeutet und wie öffentlich wir ihn denn gerne haben wollen. Die Fotografie-Debatte ist dafür ein hübscher Auftakt.

Wenn jeder einzelne Bürger seine Privatsphäre mit nach draußen nimmt und erwartet, dass sie dort unberührt bleibt, dann ist der öffentliche Raum nicht öffentlich, und dann ist es auch kein Raum, sondern allerhöchstens ein Strom aus einzelnen Privatschollen.

Wenn wir einerseits Überwachungskameras im öffentlichen Raum akzeptieren, andererseits fotografierende Menschen aber nicht, wenn wir also gefühlte Sicherheit über gelebte Kommunikation stellen, wenn wir mithin Kameras zwar als Abschreckung zulassen, als Kunst- und Kommunikationswerkzeuge jedoch nicht, dann sind wir gesellschaftlich auf einer ziemlich schiefen Spur.

Photo shooting can be fun

Zurück zum Anfang: In den klagefreudigen USA wäre ein Fall wie der von Espen Eichhöfer undenkbar: Dort darf man jeden Menschen fotografieren, der sich im öffentlichen Raum aufhält. Einfach so. Mir ist nicht bekannt, dass diese Regelung dort zu irgendwelchen nennenswerten, gesellschaftlich negativen Auswüchsen geführt hätte. Nur mal als Gedankenanstoß.

Zum Thema:

Veröffentlicht von Mario Sixtus

Journalist, Autor, Fotograf

88 Kommentare

  1. Pingback: Lesetipp | Kreative Strukturen

  2. Ich habe mir vor einigem Wochen die Chargesheimer Ausstellung im RuhrMuseum angesehen. Da gab es eine Serie von vier Bildern einer kleinen Gruppe auf einem Hinterhof spielender Kinder, die anscheinend über einen Zeitraum hinweg fotografiert wurde.
    Stände der Fotograf heute in dieser Hofeinfahrt und würde diese Gruppe fotografieren, würde er wahrscheinlich Gefahr laufen, geteert und gefedert zu werden.

    “Fotografieverbot heißt somit Kommunikationsverbot oder metaphorisch: Sprechverbot. Zur Erinnerung: Wir reden hier über den öffentlichen Raum, einen Ort, der eigentlich ein Ort des Austausches, der Kommunikation sein sollte.”
    Danke für die klaren Worte.

    • Ich weise die mich fotografierenden, wenn ich es mitbekomme, sehr deutlich daruf hin, dass das Foto umgehend gelöscht wird und schaue mir den Löschvorgang auch persönlich an. Die entsetzten Gesichter sind jedesmal ein Genuss. Ob ich ein Zeitzeugnis bin, entscheide immer noch ich selbst und nicht ein Mensch mit Kamera in der Hand.

      • … und dann löscht tatsächlich jemand das Foto? Herrje, wie verschüchtert sind denn die Leute, oder sehen sie aus wie ein Schläger und sind 2,10 groß? Ich jedenfalls würde garantiert nichts löschen. Aber vermutlich würde ich sie auch gar nicht fotografieren wollen.

    • Hi Tom, ich tendiere dazu dir zu widersprechen. Als photograph mit einem plan kann und sollte man mit den Eltern der Kinder ueber ein solches Projekt sprechen. Man zeigt den Eltern seine eigene Arbeit, erklaert ihnen das projekt und auch einen moeglichen benefit den sie haben. Ich wuerde die Zusage der eltern zur voraussetzung jeder veroeffentlichung machen.

      Und wenn die Eltern am ende nicht wollen, dann ist das ihr gutes Recht. Meine Erfahrung ist durchaus positiv und ich kann auch mit einem nein gut leben.

    • Hey Tom, eine Fotografie-Legende wie Chargesheimer hat vielleicht auch eine Genehmigung eingeholt. ;)

      Beste Grüße

  3. Pingback: Dentaku » Über Fotografie, Kommunikation, dämliches Grinsen und den öffentlichen Raum

  4. Großer Quatsch! Photos sind keine Kommunikation. Photos zeigen vielleicht.

    So oder so ne mittlere Frechheit hier mal eben als Intagrammhipster für uns alle definieren wie wir uns unsere Öffentlichkeit vorzustellen haben.

    Um es klar und deutlich zu sagen: Herr Sixtus SIE und ich teilen nicht die gleiche Perspektive der Realität und ich für meine Teil möchte, dass unsere gemeinsame Öffentlichkeit sich am gemeinsamen Nenner orientiert. Und falls wir beide keine Überwachungskameras wollen, ist der Preis dafür, wenn sie ab jetzt mit Streichhölzern basteln statt fremde Leute ungefragt abzulichten, nicht zu hoch.

    • Wenn sich die gemeinsame Öffentlichkeit am gemeinsamen Nenner orientieren soll dann gibt es entweder lauter Kompromisse oder keine Öffentlichkeit.
      Ad-Hominem Attacken untermauern ihre Position nicht sonderlich gut.

      Auch sehe ich nicht wo Herr Sixtus irgendetwas definieren wollte, eher eine Debatte anstoßen, aber gut, das ist halt in ihrer Realität anders angekommen.

  5. Ein sehr interessanter Bericht, der zeigt, was für die Gesellschaft zu einem blinden Fleck geworden ist und der nicht so einfach aufgelöst werden kann, nämlich: die Rechtfertigung von Handlung. Sowohl die Kunstfreiheit und das Recht, entsprechende Werke zu erstellen und zu verbreiten als auch Persönlichkeitrechte, hier: das Recht auf das eigene Bild, sind bedingt durch die Notwendigkeit, Handeln zu rechtfertigen, wenn und weil immer auch andere ebenfalls das Recht zur Handlung haben ohne sich dieses vorher irgendwo genehmingen zu lassen. Freiheit heißt: Man handelt und wartet ab was dann geschieht. Alles andere ist dann hauptsächlich Rechtfertigung, indem auf Rechte aller Art bestanden wird.

    Nun zeigt sich, dass die Rechtfertigung von Handlung in Aporien mündet. Und man weiß einfach nicht wie es weiter gehen sollte. Und weil das so ist, davon berichtet jedenfalls der Arikel, geht es so weiter wie bisher: Stimmung machen, Partei und Unterstützung organisieren, juristische Auseinandersetzung suchen und bei allem die Hoffnung nicht verlieren. Dass solche Prozesse zur Herstellung jener Probleme erst beigetragen haben, sie also das Resultat von Rechtbeschaffung sind, wird einfach ignoriert – auch eine Immunisierungsmaßnahme, die zur Verstärkung der Indifferenz beiträgt. So wird kein Problem gelöst, sondern nur verwaltet und über die Runden gerettet.

  6. Sehr aufschlussreiche und beunruhigende Schilderung des Status Quo. Wäre aber nicht das erste Mal, wenn der Gesetzgeber mit dem Ziel, einzelne vor vermeindlichen Schäden zu schützen, einen größeren Flurschaden anrichtet.

    Das wird in der Zukunft noch interessanter, wenn neben der Technologie zur Anfertigung und Publikation von Fotos auch die Algorithmen zur Auswertung erwachsen werden. Wenn jeder über die Google/Facebook/Instagram Bildersuche sehen kann, wo er überall im Internet steht, werden wir noch viel Spaß haben.

    • Elias, ich finde deinen beitrag zwar etwas dramatisiert aber im grunde richtig. Wenn ich mein Bild inder oeffentlichkeit nicht wuensche, dann ist das so und sollte repektiert werden. Und ich muss noch nicht mal Gruende dafuer herbeizaubern.

    • Ich finde den Beitrag etwas aggressiv geschrieben, sehe aber den Punkt. Nur er geht wie hier im Artikel verdeutlicht an der Realität vorbei. Du wirst fotografiert, du wirst von Kameras erfasst, all das passiert, auch ohne dass du gefragt wirst. Du hast ein Recht auf Nichtveröffentlichung, nicht aber auf Löschung. Das heißt auch, dass du bei irgendwem mindestens im privaten Facebook-Album landen kannst. Und dort wird Facebook dich analysieren. Aber sich da mit diesem Protest gegen zu wehren trifft die falschen. Du kannst Portraits von dir verbieten, wenn du in einer Panoramaaufnahme bist hast du dieses Recht nicht mehr. Und selbst wenn du es hast, wirst du es nie voll durchsetzen können, weil du den Fotografen oft einfach nicht siehst. Du musst dich gegen die Konsequenzen wehren, nicht gegen das Bild. Du bist in der Öffentlichkeit, du wirst gesehen, auch digital. Du kannst versuchen, dass Facebook dich nicht mehr indirekt über Bilder tracken darf, aber du bekommst den Menschen die Bilder nicht mehr abgewöhnt, weder rechtlich noch praktisch (wer kümmert sich darum, was genau das Gesetz sagt, wenn er private Bilder macht?).

  7. Wirklich extrem schrecklich, der ganze Verhau.

    Angesichts dieser Zusammenstellung bin ich glatt für eine radikale Lösung, die da heißt:

    Alles und jede und jeder im öffentlichen Raum darf abgelichtet und geteilt werden. Wer das nicht mag, soll eben Burka tragen.

    • Wie wäre es wenn wir alle gemalten Bilder verpixeln die Unbeteiligte zeigen?

  8. Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » Den öffentlichen Raum zurückgewinnen

  9. Ich finde das Filetieren des Sachverhalts “künstlerische Straßenfotografie” zwar reizvoll, aber nicht ergiebig. Das Grundgesetz schützt nämlich die Meinungsfreiheit. Mit diesen Worten: “Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten…”
    Eine Meinung zu äußern, auch “in Bild”, sollte also etwas wert sein. Wir wissen, dass dies im Geltungsbereich des Grundgesetzes nicht der Fall ist. Dieses für eine demokratische Gesellschaft elementare Recht wird seit Jahren sukzessive eingeschränkt (http://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeitsrecht_%28Deutschland%29#Allgemeines_Pers.C3.B6nlichkeitsrecht plus hier http://de.wikipedia.org/wiki/Zul%C3%A4ssigkeit_von_%C3%84u%C3%9Ferungen_in_der_Berichterstattung). Und das betrifft sowohl Wort, Schrift als auch Bild.
    Richter haben inzwischen die Entscheidungshoheit darüber, ob jemand eine Meinung haben darf, wenn kein “öffentliches Informationsinteresse” gegeben ist. Sie entscheiden, ob bewahre, eine “Berichterstattung lediglich Neugier, Sensationslust und Unterhaltungsbedürfnisse befriedigt”. Bevormundung und Gängelung einer Gesellschaft und ihrer Medien, wie sie im Buche steht. Und Anwälte, die das für ihre oft relativ namhaften Mandanten auch noch nach Kräften betreiben.
    Da dieselben Maßstäbe auch an die Fotografie im öffentlichen Raum angelegt werden, kann logischerweise jeder durchs Bild gelaufene Typ die gesellschaftliche und politische Kultur strangulieren, sobald ihm danach ist. Erst recht, wenn er auch noch belegen kann, dass er durch sein Vorverhalten “kein öffentliches Informationsinteresse hervorgerufen hat”. Ganz egal, dass durch das Verhindern der Veröffentlichung von Informationen diese “öffentliche Informationsinteresse” gar nicht erst entstehen kann.
    Ich finde im Vergleich dazu nur diese Handhabe wirklich akzeptabel: http://en.wikipedia.org/wiki/Photography_and_the_law#United_States Denn sie zieht die klügeren Trennungslinien zwischen öffentlich und privat/schutzwürdig, zwischen nicht-kommerziell und kommerziell.
    Anmerkung: Ich lebe schon eine Weile in New York, aber kann mir nicht nur deshalb einen anderen Umgang mit den rechtlichen Fragen zu diesem Thema gar nicht vorstellen. Das konnte ich noch nie. Das liegt an meinem Verständnis davon, was eine freiheitliche Gesellschaft alles zulassen muss, um freiheitlich zu sein.

  10. In Zukunft werden viele mit fotografierenden Brillen rumlaufen? Genau das ist doch die Frage, ob *das* unsere Zukunft werden soll oder nicht. Ob die “Öffentlichkeit” auf die dort anwesenden Leute beschränkt bleibt oder eine weltweite und für immer festgehaltene Öffentlichkeit werden soll.

    Das neue Gesetz scheint mir auch nicht besonders geglückt, um es mal gelinde auszudrücken. Aber gegen den bisherigen Status Quo und eine ausgeweitete Überwachung der Überwachungskameras habe ich nichts einzuwenden.

  11. Die Arroganz selbst ernannter Street Photographers, die sich als miese Amateure mit “Ikonen der Phitographie” vergleichen und auf Ihr Recht pochen “Menschen in ihrer natuerlichen Umgebung” abzulichten, sind mir entsetzlich zuwider. In den meisten Faellen sehen die geknipssten Menschen aus wie verschreckte Squirrels und es ist ein gutes Recht eines jeden nicht auf diese Weise oeffentlich ausgestellt zu werden, da Natuerlichkeit nicht vom Knippser bestimmt wird, sondern vom geknippsten Menschen und seiner selbst empfundenen Menschenwuerde. Und wenn Menschen nur bloede in die Kamera grinsen, liegt es am Photographen, der es mit seiner Persoenlichkeit nicht schafft mit seinem Wesen den Menschen ein natuerliches Gefuehl zu verschaffen. Auch da koennte man sich durchaus bei “Ikonen” etwas abgucken. Seit endlich Photographen und keine knippsenden Epigonen, dann klappts auch mit der Natuerlichkeit.

    • “seid endlich Photographen” – und Umlaute waeren auch nicht schlaecht ;-)

      • In der Tat ist schlechtes Epigonentum nicht nur in der aktuellen Strassenphotographie sehr verbreitet, sondern auch im Kommentieren fremder Meinungen anstelle selbst eine solche zu entwickeln und diese – wohlbemerkt, ohne sich zu verschreiben – in einem ganzen Satz zu artikulieren, nicht wahr, lieber Dieter?

        Achja, nicht zu vergessen, mit einem froehlichen Smily, der sicher so phaenomenal anders aussieht als Dein Gesicht, wenn Du so etwas schreibst ;-)

  12. Wer ein Foto sieht, ist mMn fast am Ort anwesend. Fotos von Menschen an öffentlichen Orten zu verbieten ist also fast identisch mit einem Hinschau-Verbot. Gesetze dazu enthalten den selben Inhalt wie ein pampiges “Was guckst du, willst du Fresse?”

    Wer draußen nicht gesehen werden will, darf nicht raus, oder muss ins Eremitentum.

  13. Angenommen ich beobachte, wie ein Mann auf dem Spielplatz ein Kind anspricht. Und das kommt mir so verdächtig vor, dass ich die beiden eigentlich fotografieren würde, falls da was schlimmes passiert. Aber ich mache es lieber doch nicht, denn fremde Kinder fotografieren geht ja schon mal gar nicht, und einen potentiellen Triebtäter natürlich auch nicht, denn ich würde ihm ja “erheblichen Schaden” zufügen, würde ich das Foto “einem Dritten” sprich Polizisten/Richter zugängig machen. Also umdrehen und weggucken, man will sich ja nicht strafbar machen…

    • Wenn du bei einem Mann der ein Kind ansprichst meinst gleich ein Beweisfoto machen zu müssen, läuft schon etwas falsch.
      Auch ist es nicht an dir Beweise zu machen, zumal Digitalfotos da sowieso fragwürdig sind.
      Beste Handlungen: Beobachten, vermutlich ist es harmlos. Eventuell etwas näher treten, du wirst sicherbar, du bekommst das Gespräch mit. Im Zweifel die Polizei rufen, die ist zuständig. Im dringenden Fall einschreiten. Für all dies ist kein Foto nötig.

  14. Ziemlich schlimm, dass so ein Text geschrieben werden muss.
    Trotzdem und deswegen jedoch: Danke dafür!

  15. Eine wirklich anregende Auswahl an Werken der Straßenfotografie. Ich gebe Ihnen Recht, dass es sehr schade wäre, wenn einige dieser Bilder nicht ausgestellt werden dürften.

    Allerdings bedeutet öffentlicher Raum für mich die Freiheit, sich dort frei zu bewegen. Diese Freiheit wird eingeschränkt, wenn man befürchten muss, dass Aufnahmen ohne mein Wissen veröffentlicht werden. Wie Sie selbst sagen: Fotografieren ist erlaubt, das veröffentlichen nicht – und das aus gutem Grund. Ein Blick in die Bildzeitung genügt, um zu sehen, wie sorglos mit Persönlichkeitsrechten umgegangen wird. Auch in Bezug auf Facebook und Co ist ein solcher Schutz m.E. sinnvoll und notwendig.

    Wo die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Interesse, zwischen der Freiheit von Presse & Kunst und dem Schutzbedürfnis des Individuums liegt, muss notfalls im Einzelfall entschieden werden. Hier finde ich das Urteil des Landgerichts Berlin zumindest nachvollziehbar: einerseits kein Schadensersatz, anderseits keine weitere Veröffentlichung. Ich finde es auch deswegen nachvollziehbar, weil – wie sie selbst schreiben – ein Einverständnis vor Ort faktisch nicht eingeholt werden kann. Wie sonst sollen die Interessen des Fotografiertem berücksichtigt werden wenn nicht nachträglich (und notfalls auch gerichtlich)?

    Natürlich verbleibt somit ein Berufsrisiko, dass solche Fälle vor Gericht landen und somit auch die Ungewissheit, wie der Richter entscheidet. Aus meiner Sicht sollten bei der Entscheidung drei Aspekte berücksichtigt werden:

    1. Der Zweck der Veröffentlichung (Ästhetik/Kunst, Informationsinteresse/Presse, Bloßstellung/Effekthascherei)

    2. Die Reichweite der Veröffentlichung (z.B. eine Veröffentlichung in einer Ausstellung versus Veröffentlichung im Internet)

    3. Den Grad der Persönlichkeitsverletzung (Identifizierbarkeit und Ehrverletzung)

  16. Weil Du zu faul bist, die Leute zu fragen (schwer ist nämlich nicht unmöglich!), scheißt du auf das Recht anderer Leute (während du gleichzeitig auf DEIN Recht pochst), und scheißt darauf, dass Du anderer Leute Leben riskierst!
    Menschen lehnen Fotos nicht einfach nur ab, weil sie Fotografen auf die Nerven gehen wollen. Sie haben da mitunter verdammt gute Gründe dafür, ich möchte hier nur ein paar nennen, es gibt aber Tausende.
    Ein anderer Kommentator hat ja schon einen Blogeintrag gepostet, der auf das Problem der Überwachung/Facebook etc. eingeht.
    Es haben schon viele Menschen einen Job nicht bekommen oder verloren wegen einem Foto. Und ich rede hier nicht von einem Foto, auf dem jemand besoffen in seiner eigenen Kotze liegt, sondern manchmal sogar eigentlich positive. Als Beispiel sei der “Techno Viking” zu nennen, auch wenn das ein Video war, aber gleiches Prinzip.
    Desweiteren gibt es Leute, denen Gewalt angedroht wurde. Durch ein Foto können Informationen über deren Aufenthaltsort verbreitet werden, und den Bedrohten in Lebensgefahr bringen. Und auch hier meine ich nicht irgendwelche Leute, die anderen Leuten ans Bein pissen wie Du, sondern zum Beispiel auch Leute, die Zivilcourage gezeigt haben, irgendwo dazwischen gegangen sind und danach von den Tätern bedroht wurden.
    So ergeht es mir, weswegen ich Leute wie Dich so ganz und gar nicht leiden kann.
    Ein Taxifahrer sagt ja auch nicht, dass es ja viel zu anstrengend und damit illusorisch sei, wegen jeder Ampel und jedem die Straße überquerenden Fußgänger anzuhalten, das würde ja seine Arbeit sooo schwer machen.Also krieg Dich ein und mach Deine Arbeit gefälligst anständig. Oder geh sterben!

    • “Techno Viking” – tolles Beispiel. Wer sich derart in der Öffentlichkeit entblödet, will gesehen werden und darf sich nicht im Nachhinein beschweren. Alo: erst denken, dann schreiben . . .

      • Soweit ich mich erinnere “rettet” der Mann eine Frau davor, von einem besoffenen Spinner belästigt zu werden, und danach feiert er, weil er auf irgendeiner Straßenparty ist.
        Also nein, er wollte nicht gesehen werden, er wollte feiern. Er hat sich filmen lassen, weil er dachte, das wäre nur für private Zwecke.

  17. Wie s aussieht hat sich in all den Jahren nicht viel geändert was das Thema Strassenfotografie – Streetart im Kontext zum Persönlichkeits am Bild” betrifft.
    In der Zeit in der ich “Menschen auf der Strasse” fotografiert habe, das war vor ca 10 Jahren waren die Probleme die gleichen.

    Auch die Argumentation der Richter war idR die gleiche. Einzelne Personen dürfen ohne deren Einwilligung nicht fotografiert werden. Stechen einzelne Personen in einer Menge durch Kleidung, etc heraus, dann allerdings ist es erlaubt, das Recht am Bld einer “in einer aus einer Menge herausragenden Person” ist dann nicht mehr gegebn eben weil “diese eine außergewöhnliche Person die auffällt” nur eine Person in einer Masse ist. Die Crux liegt auch darin das es wie s aussieht immer noch keine einheitliche Rechssprechung gibt. Aber da kann ich mich auch täuschen, ich fotografiere nicht mehr. Leider.

    Was mir in dieser Zeit geholfen hat war das Fotomagazin “Photonews” http://fotoinfo.de/fotozeitschrift-photonews/

    Ich erinnere mich an einen Artikel in der Photonews, an ein Urteil aus den USA. Ein Fotograf hatte einen orthodoxen Juden bzgl seines GesichtsAusdruckes auf der Strasse als Einzelperson aufgenommen und veröffentlicht. Daraufhin hatte der orthodoxe Jude den Fotografen auf “Recht am eigenen Bild – Einzelperson” verklagt. Der Richter hatte in diesem Fall dem Fotografen recht gegeben mit der Begründung das in diesem Fall die EinzelPerson als ein Dokument im Sinn “der künstlerisch-dokumentarischen Straßenfotografie” zuzuordnen sei.

    “Frag doch vorher” oder “frag doch hinterher”, lauten die beiden Standardratschläge, die einem unsichtbaren Fotografiedebattennaturgesetz folgend, immer wieder von irgendjemandem in den Raum geworfen werden. Sie sind beide nicht realisierbar.”

    Beim Fotografieren von Menschen habe ich es so gehalten das die Personen es irgendwie wahrgenommen haben das ich sie – einen bestimmten Moment fotografiert – habe. Wenn keine Ablehnung nach der Aufnahme kam – da gab es natürlich Einige “Haben Sie mich eben fotografiert? Warum? Ich will das nicht” dann war es in Ordnung für mich.

    Andererseits habe ich Menschen – Einzelpersonen auf dem Markt fotografiert. Meistens haben sie es nicht gemerkt. Andere wiederumm wollten nicht das ich sie fotogafiere.

    “Fotografie ist Kommunikation”

    Nicht zwingend zwischen dem Fotografen und der Person die man aufnimmt.

    Zwischen dem Fotografen und einer Öffentlichkeit wenn man eine Aufnahme verwerten will, Ja.

    Hätte es zu Henri Cartier-Bresson Zeiten diesen HickHack um “Recht am Bild” gegeben wäre Streetart – Strassenfotografie -die Welt – die Kunst um einiges ärmer.

    Ob es jemals ein Grundsatzurteil geben wird, wage ich zu bezweifeln.

  18. Das Fotografieren im öffentlichen Raum ist nicht verboten. War es auch nie. Siehe Panoramafreiheit.
    Was mich an der Diskussion massiv ankotzt ist das Fehlen jeglicher Empathie für die andere Seite.

    Der Witz ist doch: ich würde auch gerne Gras anbauen und verkaufen oder zumindest konsumieren. Ist aber verboten. Mach ich es trotzdem hat wohl kaum einer Mitleid.
    Setzen sich Strassenfotografen über bestehendes Recht hinweg kommt nur mimimi.

    Ich habe ja gar nichts gegen Straßenfotografie. Epstein, Meyerowitz, Shore, Eggleston etc: toll. Weil Sie eben respektvoll umgehen, aber dann gibt es eben auch einen Gilden oder einen Winogrand, die einfach nur Arschlöcher sind.
    Wenn wir nur soziale Menschen wären, wäre Strassenfotografie kein Problem, nur ist der Mensch eben ein Arschloch.

    • “Die Panoramafreiheit (auch Straßenbildfreiheit) ist eine in vielen Rechtsordnungen der Welt vorgesehene Einschränkung des Urheberrechts, die es jedermann ermöglicht, urheberrechtlich geschützte Werke, beispielsweise Gebäude, Kunst am Bau oder Kunst im öffentlichen Raum, die von öffentlichen Verkehrswegen aus zu sehen sind, bildlich wiederzugeben, ohne dass hierfür der Urheber des Werkes um Erlaubnis ersucht werden muss. Dies betrifft sowohl das bloße Anfertigen etwa einer Fotografie als auch ihre Verwertung. In den allermeisten Urheberrechtsordnungen wird diese grundsätzliche Freistellung zugleich durch spezifische Beschränkungen ausgestaltet, um den Urheber in seiner Rechtsstellung nicht übermäßig zu belasten.

      Unabhängig vom Urheberrecht können auch weitere rechtliche Gesichtspunkte einer bildlichen Wiedergabe oder ihrer Verwertung entgegenstehen, beispielsweise das Eigentumsrecht, das Hausrecht, Persönlichkeitsrechte der Bewohner eines Gebäudes oder staatliche Sicherheitserwägungen (etwa bei militärischen Anlagen). Diese werden von der Panoramafreiheit üblicherweise nicht oder nur in engem Rahmen tangiert.”

      Und wer Gilden und Winogrand als Arschlöcher bezeichnet, sollte besser gar nichts mehr sagen.

      • ich denke, wer Gilden, Winogrand und Leuthard nicht fuer Arschloecher haelt, sollte besser nichts mehr sagen :) Oh, ich liebe Meinungsfreiheit.

      • Das passt hier ganz gut in die Diskussion, nicht umsonst sind gerade diese schon wegen an der Grenze zur Körperverletzung. Das werden Sie aber nicht verstehen. Wenn man zumindest eines hier als Resumee ziehen kann: Empathie, Rechtsverständnis geht den uneingeschränkten Befürwortern völlig ab.

  19. Meine hauptsächliche Problematik bei diesem Artikel besteht darin, dass er nicht auf die Probleme der Sammlung von biometrischen Daten durch die digitale Veröffentlichung der Fotografien eingeht. Unabhängig von großen Datenkraken wie Facebook und Google, bei denen wir nur mutmaßen können was mit den dem Individum zugeordneten Informationen passiert, ist es doch nicht abwegig, dass künftig die von Facebook und Google für die Gesichtserkennung genutzten Algorithmen in noch weiterentwickelten Versionen auch Privatverbrauchern zugänglich gemacht werden. Wir können alle davon ausgehen, dass sich für auf Individuen zugeschnittene Datensuchprogramme illegale Anbieter finden werden, denn einen Markt wird es bei neugierigen Nachbarn, Verwandten, Kollegen und noch wesentlich unangenehmeren menschlichen Exemplaren sicherlich geben.
    Ist also die Streetartfotografie eine für unseren Alltag so wichtige Kunstform in der digitalen Welt, dass wir sie auch auf die Gefahr hin, dass wir einer unbestimmten Masse von Menschen unser gesammtes Leben in Form von Bildmaterial zur Verfügung stellen, verteidigen müssen. Oder könnte sie aus dem digitalen Raum, wenn keine Einverständniserklärung der abgebildeten Personen existiert, verschwinden?
    Wenn sich Streetartfotografie ausschließlich auf die Veröffentlichung in Kunstgalerien, gedruckten Büchern und anderen analogen Medien beschränkt (zumindest für einen hier unbestimmt gelassenen Zeitraum nach Aufnahme der Fotografie), wird ihr dann nicht auch genug Freiheit zu Teil?

  20. Die Erwartungen an die Ausgestaltung des Rechts sind bemerkenswert schlicht und von erstaunlicher Einseitigkeit: “Ich will gerne immer fotografieren dürfen und alle meine Fotos sind Kunst und alle anderen Interessen haben dahinter zurückzustehen.” Hm.

    Jedenfalls ist es großer Unsinn, im Bereich der Fotografie eine größere Rechtsunsicherheit zu konstatieren als…in jedem anderen Bereich. Zu glauben, eine großartig einfache schwarz-weiß-Lösung könne in einer Demokratie irgendwie interessengerecht sein, ist bestenfalls naiv zu nennen.

    Die Überwachungskameras in die eigene Argumentation einzuweben, finde ich irreführend bis übel.

  21. Schönes Thema. Kontrovers. Leider auch wichtig.

    Mich stört ein wenig das Selbstverständnis des Authors:

    “Wer sich zu Unrecht fotografiert fühlt, der darf [...] lediglich dessen Nichtveröffentlichung (verlange). Im Internet-Zeitalter ein eher theoretisches Recht.”
    Das ein Schmerzensgeld von xtausend Euro angemessen wäre, weil ein Bild in einer Ausstellung gezeigt werden soll, glaube ich nicht. Die Freiheit der Abgebildeten, um Nichtveröffentlichung bitten zu können (notfalls mit juristischen Nachdruck) hingegen schon.

    “Auch diese Dame wollte vermutlich nicht fotografiert werden. [...] Im Dienste der Kunst habe ich ihren Wunsch jedoch ignoriert.”
    Verzeihung, aber das klingt für einen Außenstehenden ein Stück weit anmaßend. Wenn ich es z.B. der Kunst für dienlich erachten sollte, den Author auf der Strasse mit einem Eimer-Farbe zu übergießen und dadurch die Umstehenden zu einer menschlichen Reaktion zu bewegen, wäre das etwas auch ok?

    Das Thema ist bestimmt nicht einfach, aber Polarisierung hilft hier auch nicht weiter. Also bitte abregen und Gehirn eingeschaltet lassen.

  22. Wie kannst du eigentlich ernst dabei bleiben, wenn du den Satz mit den “175 Jahren” und den “Ikonen” zitierst und drei Absätze darunter behauptest, man käme nur durch Masse zu Klasse und deshalb sei Fragen hinterher unmöglich?

    Eben nicht. Die so angeführten Altvorderen machen vor, dass es nicht Masse ist, die zur Klasse führt. Drei KB-Filme sind hundert Bilder, also unter hundert zu fragende Menschen. Wenn man sich die Zeit zum Flanieren und Fotografieren nimmt, wieso eigentlich nicht auch für das Unterhalten?

    Wer seine SD-Karte mit “ein paar hundert” Bildern füllt um dann zu Hause darin nach ein oder zwei herumzugrubbern, macht eher was … falsch möchte ich nicht sagen. Aber zumindest agiert ein solcher Fotograf ziemlich rücksichtlos gegenüber den anderen “paar hundert” minus Ertrag und das geht heute eben nicht mehr. So wie es “damals” (TM) oder “früher” (TM) schlicht aus finanziellen/materiellen Gründen nicht ging.

  23. Du kannst schon ungefragt Fotos von Leuten machen, aber dann bist du halt kacke!

  24. Nach der Meinung von einigen Leuten hier muss ich, weil sie nicht abgelichtet werden wollen, jeden fragen der durchs Bild lauft um erlaubnis bitten!?
    Sind dann die, die durchs Bild laufen Kamerageil? Immerhin werde ich doch mit Kamera, Stativ und dem Geraffel als Fotograf wahrgenommen!? Ich würde gerne an einem schönen Sommertag auf das Gesocks welches durchs Bild rennt und mich dann anpisst das Sie fotografiert wurden verzichten. Ich habe ein schlechtes Gefühl, weil im Brunnen vorm Rathaus Kinder planschen, weil die Eltern das zulassen und ich muss mich als Kinderschänder titulieren lassen? Ich möchte nicht erst abends um 21:00Uhr den Marktplatz mit Filter ablichten, damit niemand angst hat bei google und Co zu landen!
    Bin ich ein Aussätziger, weil ich gerne fotografiere?
    Bei der Krankenkasse hat jeder sein biometrisches Bild abgegeben, bei Ausweisdokumenten sowieso, sogar mit biometrischen Daten. Bilderkennung wird schon genutzt lange bevor die “Datenkraken” aus den USA an den Start gingen. In Bussen und Bahnen, Stadien, Bahnhöfen, Flughäfen, Innenstädte, Supermärkten usw. sind Kameras installiert, dazu unsere Ausweise und Kreditkarten mit RFID bestückt und noch Standortbestimmung des Telefons via Funkortung und GPS-Tracking.
    Die IP-Adressen werden gespeichert, auch ohne Vorratsdatenspeicherung und Ihr sprecht wirklich über das Recht am eigenen Bild?
    Als Datensammler weiss ich wo ihr wohnt, was ihr denkt, was ihr kauft, weil Ihr Punkte sammelt oder via Kreditkarte zahlt. Mit der Maut werde ich wissen wohin Ihr fahrt, ob ihr ein Raser seid oder nicht. Ich weiss ob ihr ungesund lebt, weil ihr via App Pizza bestellt und vieviel ihr Euch bewegt und Euer Problem ist wirklich ein Foto, welches die Karriere verhagelt?
    Ihr werdet nicht mehr eingestellt, weil Ihr Euren Arsch nicht mehr vom Sofo hoch bekommt und damit für den Arbeitgeber unrentabel seit. Schliesslich pflegt ihr einen ungesunden Lebensstil, wonach ihr öfters Krank seit. Ihr bekommt keinen Dienstwagen, weil euer Rasen Mehrkosten bei der Versicherung bedeutet und das Drängeln dem Image der Firma schadet.

    Wenn ich Leute höflich darum bitte aus dem Bild zu gehen, tun Sie es oft nicht. Auch bleiben viele ‘nen Meter vor dem Objektiv stehen. Weshalb?
    Wenn jemand nicht aufs Bild möchte, kann sich die Person schliesslich auch wegdrehen. Ich bin ja kein Paparazzi, der aus 100Metern ein Foto macht.
    Ich versteh natürlich manche Personen, jeden Tag ‘ne neue Perle, oder Macker am start und zuhause wartet die Familie mit den Kindern.
    Und ausgerechnet die Bild als Negativbeispiel zu benennen!? Alle möglichen Nachrichtenfomate versuchen, heutzutage, “Leserreporter” anzusprechen.
    Und wer sich vor Bilderklau schützen will fügt in ein Bild ein Wasserzeichen ein, aber nein, das verschandelt ja das Bild.
    Einem Taxifahrer ist es egal, ob er an einer roten Ampel steht oder ob sie gruen ist, weil das Taximeter zählt solange bis das Ziel erreicht ist. Den einzigen den das nervt ist der Kunde. Das Beispiel hinkt dann also eher. Es sei denn Du sagst der Taxifahrer ist der Fotograf und der Kunde ist jemand der durchs Bild läuft.
    Und solange nicht auf oder an meinem Bild steht das dort Max Muster, Maxima Muster und XYZ zu sehen sind wird auch die Zeitung nicht das Bild klauen.

    Mal sehen wie “nackig” sich die Mesnchen in 5 oder 10 Jahren machen!?

    • Hi Uwe, aber genau das ist doch der punkt: Man kann fuer sich entscheiden, ob man ein mobiltelefon, kreditkarte mit RFID, GPS, internet zu hause etc hat oder nicht. Also moechte ich auch entscheiden, ob du mein Bild veroeffentlichst :) Hoert sich doch fair an, oder?

      Du schiesst dir mit deinen Argumenten gerade ein Eigentor. Bei facebook muss ich naemlich den AGBs zustimmen um dabeizusein. Bitte gib mir diese Moeglichkeit auch, wenn ich auf deinen photos bin. Informier mich, was du mit den photos vor hast. Wenn es ein “street” photo ist und es ist aestaetisch ansprechend mit guter komposition und licht, habe ich wahrscheinlich nichts dagegen. Wenn ich denke, dass bild setzt mich in ein schlechtes licht, denke ich es ist fair, dass du es nicht zeigst.

      Es wird einfach zu viel Unfug mit photography gemacht und viele photographen sehen sich als selbsternannte “reporter der zeit” ueber den dingen schweben und nennen es dokumentation.

      was denkst du wenn du photographiert wirst?

  25. Guter Text, vielen Dank dafür.

    Ich denke leider, dass sich Espen Eichenhöfer mit dem Prozess selber ein Bein stellt. Die Richter werden meines Erachtens in letzter Instanz (in Deutschland) nicht seiner Ansicht folgen. Mit solch einem Grundsatzurteil wird man die Fotografie auf der Straße fast begraben!

  26. Ich wurde vor einiger Zeit zwischen Marktbuden mitten in die Fresse fotografiert. Der Fotograf (Hipster-Klischee voll erfüllend) verkrümelte sich anschließend hinter Buden und Konsumentenmasse. Keine Chance des Widerspruchs. Nun weiß ich nicht, wann und wo mein Gesicht der Öffentlichkeit präsentiert wird. Es ist für das Weltgeschehen komplett unwichtig, für die Kunst ebenso, aber auch, wenn die Kunst etwas damit anfangen könnte, finde ich sie nicht wichtiger als mein Bedürfnis danach, nicht in die Öffentlichkeit gezerrt und Objekt zu werden. Bevor der Einwand kommt: ja, ich war in der Öffentlichkeit, als ich fotografiert wurde. Aber da im Real Life kann ich mich wegdrehen von Menschen, die mich angaffen, sie sehen mich nur ein Moment, ich kann mich ihrem Blick wieder entziehen. Auf dem Foto kann ich das nicht. Da gehört mein Gesicht einem (vielen!) anderen.

    Es ist eine Katastrophe übrigens, wie der Autor die fotografierten Menschen verhöhnt.

    Ich bin selbst leidenschaftliche Fotografin. Aber ich verdiene kein Geld damit. Vielleicht kann man viele Dinge besser (ethischer) beurteilen, wenn Geld keine Rolle spielt.

  27. Das Gericht hat eigentlich ein sehr schlaues urteil gesprochen, indem das bild nicht gezeigt werden darf und damit das Recht der Einzelperson auf “Veroeffentlichung” gewahrt wurde aber einen Anspruch auf finanziellen Ausgleich abgelehnt hat, da kein monitaerer Schaden nachzuweisen war. das ist ein kompromiss, der ein gewisses Gleichgewicht einstellt.

    Was wir alle als “streetphotography” bezeichnen, funktionert eigentlich nur duch diesen Akt der Balance. Gaebe es keine Gesetze und deren juristische Auslegungen, wuerden auch Espen und Mario mit einem Blitz in der Hand rumspringen wie Thomas Leuthard und uns die scheusslichsten Grimassen als “Menschen in ihrer Umgebung” zeigen. Dahingegen wuerde eine verschaerfung der gesetze, wie es zum beispiel in Ungarn passiert ist, die photographie grundsaetzlich aendern.

    Im Grunde genommen ist der jetzige “status quo” mit etwas weicher gesetzlicher formulierung das beste fuer “uns” photographen. Ich bin vollkommen damit einverstanden, wenn jemand gegen die veroeffentlichung seines Bildes ist, da ich dieses recht auch fuer mich in Anspruch nehme.

    Leider werden diese diskussion + das bestehen auf ihr “Recht”, wie es Espen gerade tut + photographen wie Thomas Leuthard + instagram + google glasses + … + … unweigerlich zur verschaerfung der gesetzgebung fuehren

  28. Lieber Herr Sixtus,

    ich bin immer dafür, Dinge zu vereinfachen wo es geht. Sicher geht es auch beim Urheber-, Persönlichkeits- und Kunsturhebergesetz, etc.
    In Bezug auf Ihre Ausführungen, die, nicht ohne etwas angestrengte Verbalakrobatik auskommen, möchte ich die Dinge dann auch weiterhin einfach halten.
    Es erhebt sich die Frage: Wo bleibt der gesunde Menschenverstand, nachfolgend GMV genannt. All die Gegner oder Befürworter, sollten diesen zunächst einmal einschalten.
    GMV Frage 1: Habe ich selbst etwas dagegen auf der Straße fotografiert zu werden?
    Wenn nein, dann weiter zu GMV Frage 2: Habe ich etwas dagegen mit meinem Bild im Museum ausgestellt zu werden, in Zeitungen abgedruckt zu werden, dass andere mit meinem Bild vielleicht Geld verdienen und ich leer ausgehe? Habe ich etwas dagegen, dass jeder meine Fresse sehen kann?
    Wenn nein, dann weiter zu GMV Frage 3: Habe ich etwas dagegen, wenn man mich auf der Straße mit meiner Geliebten fotografiert, oder mit jemanden, der einfach nur so scheint wie meine Geliebte, oder mit meinem Hund, der grade in Nachbars Garten kackt. Mir macht es dann sicher auch nichts aus, dass meine Frau oder mein Arbeitgeber erfährt, was ich draußen so treibe. Ist es mir egal, wenn man mich fotografiert, wenn ich z.B. esse? Wenn Sie sich da nicht sicher sind, dann lassen Sie sich doch mal beim Essen fotografieren.
    Wem das alles wurscht ist, der beherzige GMV Frage 4: Habe ich etwas dagegen, auf der Straße de facto Freiwild zu sein, weil mich sowieso jeder beobachtet, fotografiert, aufnimmt, zu meiner Sicherheit oder auch nicht, mit Handys, Datenbrillen, etc. Dann wäre es doch vollkommen egal, wenn mich jeder Knipser mit einem Tele abschießen kann. Das Kind ist eh in den Brunnen gefallen, also – shit happens – lassen wir es doch gleich ersaufen.
    Was Sie wollen, ist die totale visuelle Transparenz im öffentlichen Raum. So etwas Ähnliches wollten “Die Piraten” auch. Und wo sind Sie jetzt? Und warum sind sie da, wo sie jetzt sind? Genau. Die Antwort lautet: GMV der Wähler.
    Früher hatte kaum jemand eine Ahnung, was mit einem Bild alles möglich ist. Das ist heute anders. Heute wissen die Menschen über “die Macht” der Bilder und sind entsprechend sensibilisiert.
    Was geht und was geht nicht? Das sollte sich jeder fragen, der eine Kamera auf eine andere Person richtet und zwar aus Sicht der fotografierten Person. Wenn er das nicht tut, ist er kein guter Fotograf, kein guter Journalist, er ist respektlos und bestenfalls ein Paparazzo. Da die Kunstfreiheit vorzuschieben ist fast schon widerlich.
    Es gibt unzählige Situationen in die Menschen geraten. Man kann dies nicht mit einem einfachen Gesetz regeln.
    Genau deshalb beruht unsere Rechtsprechung auf Einzelfallentscheidungen – und das ist gut so, oder wollen Sie im Ernst hier amerikanische Verhältnisse in der Gesetzgebung?
    Die Grundsätze des Urheber und Persönlichkeitsrechts sind nicht so kompliziert, wie Sie es darstellen, Herr Sixtus. Jeder Journalist hat das drauf. Die passen auf einen Bierdeckel.
    Kreti und Pleti kennen sie vielleicht nicht, aber die haben meist sowieso meist den besseren GMV als das Fachpersonal aus den Medien.

    Beste Grüße
    Bernd Cierpiol, Fotograf

  29. “Fotografieverbot heißt somit Kommunikationsverbot oder metaphorisch: Sprechverbot.”
    wer zu solch monströsen syllogismen fähig ist, sollte sich höhnischer bemerkungen über juristen und gesetzgeber enthalten.

    wer etwas mit mir tut, ohne mich zu fragen, wird schwerlich mit mir kommunizieren — und wenn ich nur als mittel zum zweck zur kommunikation mit anderen herhalten muss, dann verletzt das meine menschwürde zuzüglich einschlägiger grundrechte.
    und nun?

    im übrigen finde ich es beeindruckend, dass das thema datenschutzsensibilität überhaupt nicht zur sprache kommt.
    natürlich photographiert everybody and his uncle, aber das heisst eben gerade nicht, dass ich das akzeptieren muss! im gegenteil, bei aller schlampigkeit der gesetzgebeung und komplexität der rechtslage (was meinen sie erst, wie komplex es wird, wenn ich sie am photographieren zu hindern versuchte!) muss man deutlich festhalten: es bedarf einer klaren begrenzung des wildgewordenen photographierens — nur, weil ich auf der strasse unterwegs bin, will ich nicht irgendwo auf facebook oder twitter auftauchen — und schon gar nicht in einer weise, die problemlos ermöglich, zeit und ort festzustellen.
    mit überwachungskameras haben sich wohl scherlich alle abgefunden, aber dort kann man immerhin davon ausgehen, dass es relativ einfach ist, rechtsschutz zu erlangen, falls deren bilder in die öffentlichkeit gelangen — und im übrigen sind diese kameras gerade nicht zur herstellung dauerhafter bilder gedacht.

    sie können nicht mit zweifelhaften argumenten von kunst und dokumentation argumentieren, und das dann dadurch bekräftigen wollen, dass ja eh schon jeder photographiert udn das wohl eher noch schlimmer werden wird.
    damit hebeln sie nämlich teil 1 komplett aus — die berufung auf kunst und dokumentatiion baut gerade auf ausnahmesituationen, udn wenn jetzt alle welt bilder macht, ist die ausnahme per definitionem aufgehoben.

    sich das künstlerhütchen überzustülpen und unter berufung auf eine überstrapazierte kunstfreiheit wie ein bockiges kind “ich will aber” zu schreien, ist jedenfalls nicht geeignet, den konflikt zu lösen.

  30. Letztlich geht es um guten alten, analogen Anstand.

    Im Text werden Ikonen genannt, deren Werke unter heutigen Verhältnissen kaum möglich seien, wenn nicht zumindest gefährdet. Jetzt mal abgesehen von dem Kunstgriff, mit dem hier die eigene Fotoleidenschaft gleichgestellt wird mit jahrelanger Arbeit an Sujets, in Milieus und Themen: Zur Zeit dieser Ikonen war das Fotografieren draußen auf der Straße noch die Ausnahme. Heute laufen dir auf dem Weg von der Arbeit Dutzende Knisper/Fotografen/Amateurfotografen/Handykamerahochhalter über den Weg, die den öffentlichen Raum zum Gegenstand ihrer visuellen Leidenschaften machen. Und alle Menschen, die sich darin bewegen, sind selbstverständlich gern gesehene Staffage. Ich glaube, es hackt. Wer Menschen in seinen Bildern benutzt; wer Leute fotografiert, die nachher keine Handhabe haben, wann ihr Bild in welchem Kontext auch immer im Blog, auf fotolia, auf 1x.com oder im Hinterhofatelier auftauchen: Der fragt bitte. Aus Respekt. Aus Interesse. Aus Achtung. Das übrigens ist eine Haltung, die viele der Ikonen auszeichnet, die da oben so leichtfertig zitiert wurden. Sie haben Menschen und ihre Umgebungen festgehalten, nicht Objekte, die grade ins Sujet passen, dass der Fotomann oder die Fotofrau im Kopf haben.

    Bilder sind also Kommunikation. Das ist für mich schwer fassbare, eher plastikhafte Phrasendrescherei. Was soll das konkret heißen? Bilder sind vielmehr Missverständnisse, weil sie immer nur Ausschnitte und Momente festhalten; weil sie eine künstliche Permanenz schaffen, die lebendigem Austausch oft im Wege steht. Weil sie Blickwinkel verengen und selten das volle Bild zeigen. Bilder sind immer Interpretationen. Immer. Und ich sehe nicht ein, warum ich zur Spielfigur in den Interpretationen fremder Menschen werden sollte, die nachher damit vielleicht nichts machen oder einen Stadtteil mit mir pflastern. Oder ein Blog. Oder dieses Facebook, whatsoever. Richtig: Da gehts um gutes altes Vertrauen.

    Sich im öffentlichen Raum unbeobachtet UND unveröffentlicht zu bewegen ist eine Selbstverständlichkeit. Es geht hier nicht um Rechtssicherheit oder Kunstfreiheit. Gott bewahre. Warum müssen arglose Passanten in Deckung gehen, weil eine Handvoll Menschen ihren Blickwinkel für wichtig halten und Megabyte-artig Bildmaterial einsammeln?

    Nochmal: Es geht um Anstand. Für mich ist es unanständig, Menschen ungefragt für die eigene “Kunst” zu gebrauchen. Ihr dürft fotografieren bis zum umfallen, aber wenn ihr veröffentlichen wollt, wenn ihr eure Werke preisen und Aufmerksamkeit oder Geld damit verdienen wollt: Dann müsst ihr fragen. Oft wird die Antwort sein: Wow, geiles Projekt, klar, kannste machen, gib mal ne Adresse.

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. So heißt es irgendwo. Wer glaubt, Menschen seien Schmuckobjekte im eigenen Bildaufbau, hat diesen Teil nicht verstanden und macht sie zu Nicht-Menschen. Er/Sie nimmt die Menschen dann ungefragt für da eigene Schaffen in Anspruch. Das ist dann eine Spielform von Narzissmus, in dem es letztlich mehr um die Großartigkeit des eigenen Blickwinkels, der Komposition geht, nicht aber unbedingt um die abgebildeten Menschen. Sie sind wieder nur Objekte.

    Wenn es was werden soll, müssen wir miteinander sprechen. Diese ganze Würde-Sache funktioniert nur im Austausch. Die persönliche Freiheit endet da, wo die Freiheit anderer beschnitten wird. Da brauch es statt erhobener Nase eigentlich nur ein wenig Anstand, eine solide Rundumsicht und ein waches Herz. Alles Zutaten, die nebenbei auch noch Fotos besser machen.

    • … na ja, Christian, ich weiß nicht ob Du das mit dem Respekt der Foto-Ikonen vor den Leuten auf der Straße und dem “analogen Anstand” nicht ein bisschen zu veklärt siehst. Gerade im Fall Winogrand dürfte das eher nicht passen, schau mal hier:

      https://www.youtube.com/watch?v=3RM9KcYEYXs

      Trotzdem: ich bin eher für die Sichtweise von Mario Sixtus und sehe mit dieser neuen Verschärfung der Gesetzgebung eine große Gefahr gerade auch für die echte und anspruchsvolle Straßenfotografie …

  31. Vielen Dank für diesen sehr guten Beitrag zu dieser Debatte. Wie man auch an den Kommentaren hier sieht, ist das Thema unheimlich emotional und kontrovers.

    Ich befürchte, es wird zu dieser Debatte nie eine zufriedenstellende Lösung geben. Foto- und Persönlichkeitsrechte sind schon immer schwammig formuliert und die konkrete Umsetzung ist immer abhängig vom jeweiligen Richter. Die Politik macht es mit neuen Regelungen auch nicht einfacher und hat auch gar kein Interesse daran, Rechtssicherheit zu schaffen.

    Ich habe zu dem konkreten Fall auch mit Espen Eichhöfer gesprochen und kann seine Argumentation sehr gut nachvollziehen: https://www.22places.de/streetfotografie-interview-espen-eichhoefer/ Es ist einfach nicht möglich, jede fotografierte Person um eine Erlaubnis zu fragen, wenn man über mehrere Tage hinweg 1.600 Fotos für eine Ausstellung macht.

  32. @Sebastian
    was ist an der aktuellen Regelung “schwammig”?

    • @JMK: Einiges, finde ich. Es ist nicht genau definiert, wann ein Werk unter die Kunstfreiheit fällt und wann nicht. Im Fall Eichdörfer hat der Richter entschieden, dass ein Foto nicht unter die Kunstfreiheit fällt, obwohl es in der renommiertesten Galerie von Berlin ausgestellt wird.

      Gleiches gilt für andere Ausnahmen, wie z.B. relative Personen der Zeitgeschichte oder das Fotografieren von Personen bei öffentlichen Veranstaltungen. Hier gibt es zwar vielleicht auf den ersten Blick klare Regelungen, letztlich werden die aber doch wieder von einem aberwitzigen Richterspruch über den Haufen geworfen. Es gibt also leider nichts, worauf man sich als Fotograf wirklich verlassen kann.

      • Oha, soll der Gesetzgeber also verbindlich definieren, was Kunst ist? Die Regelung muss per se schwammig sein, denn die Legislative hat es mit Absicht – und zu Recht – den Gerichten mit der Möglichkeit der Betrachtung des Einzelfalls überlassen, über “Kunst” zu entscheiden. Das mag zwar nicht ideal sein, es gibt aber keine wirklich bessere Alternative.

        Und dass es nichts gibt, “worauf man sich als Fotograf wirklich verlassen kann” – ja, so ist das in dieser komplizierten Welt. Gesetze sind auslegungsfähig und sollen es auch sein, sonst könnte man keine Einzelfallgerechtigkeit (und in Einzelfällen -ungerechtigkeit) herstellen, sondern es gäbe nur schwarz und weiß.

  33. Sebastian, der Mann heisst nicht Eichdoerfer sondern Eichhoefer. Hast wohl im interview nicht aufgepasst. Naja, ein Kunstfehler, der schon vergessen ist.

    In einer Gallerie gibt es eben nicht nur kunst. Da gibt es auch Lichschalter, Tuerklinken, Lampen und im vorliegenden Fall auch noch jede Menge mittelmaessige Photos. Der Vergleich mit bekannten Streetphotographen wie Henri Cartier-Bresson fuehrt eher zum mueden laecheln. Das hat der Richter schon ganz gut erkannt.

  34. Dauernd auf Cartier-Besson zu verweisen ist so peinlich, wie bei Literatur auf Shakespeare- Doof nur, dass gerade er oft genug Fotografien stellte. Fällt als Kronzeuge schon wieder raus.

    “renommiertesten Galerie von Berlin ausgestellt wird.” Heißt nun was? Ai Weiwei stellte im Gropius Bau aus, dadurch werden seine Arbeiten leider nicht besser.

  35. Pingback: Markierungen 02/25/2015 - Snippets

  36. @Ijon: Ja, ich habe mich verschrieben. Und ja, in einem Museum gibt es auch Lichtschalter. Vielen Dank für deinen erhellenden Beitrag zu dieser Diskussion.

    @JMK: Wer hat eigentlich auf Cartier-Bresson verwiesen? Das heißt, Kunstfreiheit gilt nur dann, wenn die Kunst von der Allgemeinheit als gut eingestuft wird?

  37. Sebastian,
    wer bestimmt Kunstfreiheit? der Kuenstler, das Objekt, die Rezipienten, der Staat mit seinen Gesetzen? Oder gibt es ueberhaupt die Freiheit der Kunst? und wenn es diese gibt, ist sie universal? Ist Kunstfreiheit nicht eine ausrede, hinter der sich auch Kinderpornographen verstecken koennen?

    Und mal ehrlich, denkst du wirklich, dass die Aneinandereihung von so oft wiederholter Langeweile, wie sie Espen Eichhoefer als guter Handwerker hier demonstriert, irgendetwas anderes ist als inspirations- und emotionsloser Pixelmuell?

  38. Vielen Dank Mario, für diesen tollen Text und die vielen Aspekte, die bei der Straßenfotografie eine Rolle spielen.

    Ich finde es immer wieder erstaunlich auf wie vielen Ebenen diese Debatte geführt werden kann und wie viele Hobby-Juristen dann anfangen zu kommentieren. Wenn es so einfach wäre, dann bräuchten wir doch diesen Artikel hier nicht.

    Ich fotografiere auch sehr gerne in der Stadt und habe für mich ein paar Regeln gesetzt:
    - keine Kinder erkennbar fotografieren (zur Not unkenntlich machen)
    - keine Menschen in diskreditierenden Situationen ablichten (nach dem Motto: was ich von mir nicht abgelichtet sehen möchte…)
    - und einigermaßen darauf achten, dass ich wirklich im öffentlichen Raum und nicht im Garten von jemanden stehe.

    Wenn es dann doch zu einem Gespräch kommt, dann zeige ich das Bild und der Person und sie kann dann entscheiden, was damit passieren soll. Meistens gebe ich einfach meine Visitenarte und schicke das Bild dann zu. Denn manche Menschen freuen sich auch über ein Bild von sich. Huch. Ja das gibt es auch.

    Zu dem ausgehenden Fall von Espen Eichhöfer bin ich komplett auf der Seite des Fotografen, weil das Bild von der Frau nicht diskreditierend war (ich hatte das Glück, das Bild beim C/O zu sehen) und schon gar keinen Fall auf Schadensersatz klagen kann. Ich meine die Frau hatte einen Leopardenmantel an und das schreit doch nach Aufmerksamkeit und dann sollte man auch damit rechnen, dass man fotografiert wird.

    Zwei Punkte die ich gerade hier in den Kommentaren sehr interessant finde: “Fotografie ist keine Kommunikation” – doch ist es und war es schon immer. Vielleicht dazu einfach mal Susan Sontag oder Niklas Luhmann lesen.

    Den zweiten Punkt finde ich immer wieder interessant: “Ich will nicht, dass du mich fotografierst, weil das dann auch Facebook und so weiß” – das ist schon sehr amüsant und vielleicht sogar ein bisschen arrogant zu glauben, dass man soooo interessant ist, dass Facebook und Google ganze Armeen losschicken um ein Bild von dir zu bekommen, damit sie endlich alles über dich wissen, dein Erstgeborenes kidnappen und deine Seele stehlen können.
    Oder will man vielleicht einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen mit der Information: nein du darfst kein Bild von mir machen, aber ich schreibe einen Blogartikel dazu, warum du das nicht machen darfst und freue mich dann über das ganze Lob…. irgendwie putzig.

    Vielleicht würde uns in den ganzen Debatten doch ein bisschen mehr Gelassenheit und weniger Paragraphenreiterei helfen, denn ich zum Beispiel würde mich sehr freuen, wenn Mario Sixtus mal ein Bild von mir machen würde.

  39. “Leopardenmantel an und das schreit doch nach Aufmerksamkeit und dann sollte man auch damit rechnen, dass man fotografiert wird.”
    und wer sich aufreizend anzieht, muss damit rechnen angegrabscht zu werden?
    Deine Regeln sind ja schön und gut, bringen nur dem Fotografierten herzlich wenig.

    • Genau, ich wollte einen Vergleich bringen zwischen Leopardenmantel und Angrabschen…. Wo kommen nur immer diese bullshittigen Vergleiche her, gibt es wirklich keine Möglichkeit sich auf einem anständigen Niveau über ein Thema zu unterhalten.

      Kurze Frage nur: wozu kauft man sich einen teuren Mantel? Damit man sagt: “bitte schau hier nicht her! Bitte. Ich will nicht dass man mich anschaut!”

      • Dann erkläre mir bitte wieso Frauen Hotpants oder kurze Röcke tragen?ich bin gespannt. Die könnten ja auch Jogginghose tragen, ist ja viel bequemer.

        • Wenn man dir den Unterschied zwischen einem Bild auf der Straße und sexueller Übergriffe erklären muss, hast du ein anderes Problem als Streetphotography.

          • es geht nicht um den Übergriff, es geht um die die Argumentation der Rechtfertigung. Beides ist btw. illegal.
            Stört dich nicht, ich weiß. Trotzdem asozial.

  40. Pingback: 25. Februar 2015 › kwerfeldein - Fotografie Magazin | Fotocommunity

  41. Ich finde die Diskussion langsam echt überzogen – drum geb ich auch meinen Senf dazu. Und ja, ich bin Fotograf.

    1. Alle WICHTIGSTEN Bilder der letzten 175 Jahre sind ohne Einverständnis des Fotografierten entstanden?? ähem…ja, sag ich nix weiter zu…

    2. Das Recht am eigenen Bild gilt schon viel länger als der Paragraf um den jetzt gestritten wird. Das ist auch gut so.

    3. Warum ist es den Herren Street Fotografen nicht möglich, die Leute DANACH zu fragen? Ich finde, die Argumentation von Hr. Sixtus hier sehr sehr schwammig und nicht nachvollziehbar.

    4. Oje, die Welt geht unter. Die Fotografen dürfen nix mehr. Jeder Depp dokumentiert heute jeden Sch****, aber das zählt alles nix, denn es sind ja nicht (professionelle) Street Fotografen mit Leicas die dokumentieren, sondern nur Hein Blöd mit der Billo-Knipse vom Aldi… Das ist Foto-Machismo der allerfeinsten Sorte. Wir, also alle, dokumentieren unsere Welt mehr als jede Generation vor uns.
    Frage: war das was Bresson, Feininger und andere als Street-Fotografie gesehen haben wirklich das “reale” Leben, oder war es nur das was die großen Fotografen sehen WOLLTEN?

    5. Es gibt wohl Beispiele aus den ach so freien USA: http://en.wikipedia.org/wiki/Nussenzweig_v._DiCorcia

    An alle Street Fotografen: kommt runter von eurem hohen Ross. hört auf so zu tun als würdet ihr alle Kunst machen – tut ihr nicht. Redet mit den Leuten, seid offen, das ist das beste was man tun kann.
    NORMALE Menschen fühlen sich nunmal unwohl wenn sie vor der Kamera stehen, und wenn sie es nicht von sich aus wollen zweimal. Get over it.

  42. Pingback: Fotografie im öffentlichen Raum | mynethome.de

  43. Hallo Sixtus,

    ich bin über Kwefeldein auf deinen Artikel aufmerksam geworden.

    Zwei Sachen dazu:

    1. No Risk No Fun! (gilt bei so vielen Sachen im Leben)

    2. Du vermischt da einiges in deinem Artikel den neuen §201a StGB mit dem Espen Eichhöfer Fall

    Was dein Artikel aber wirklich gut darstellt ist, das es “zu viel an Fotografie” gibt.
    Das ganze geknippse kann gar nicht alles Kunst sein.
    Jeder kann heutzutage ein schlechtes Foto Knipsen.
    Jeder kann das auch verbreiten.
    Aber sollte man das machen?

    Dein Foto von dem kleinen Jungen, du schreibst folgendes darüber:
    “Dieses Foto konnte nur unter Missachtung des geltenden Rechts entstehen.”

    Und hat sich das gelohnt?
    Sorry das schreiben zu müssen so toll finde ich das nicht.

    Zu ein paar Fragen die du aufgeworfen hast:
    “Sollte dieses Verhalten geschützt werden?”

    Deine übertriebene “Pro-Foto” Seite kann ich nicht so ganz teilen.
    Dazu im einzelnen:

    “der versinkt prompt bis mindestens zum Auslöser in eine juristische Sumpflandschaft.”

    Naja, man kann es auch übertreiben. Was erwartest du denn in Deutschland. Wenn du dir ein Brötchen kaufst musst du schon (mindestens) 3 Verträge schließen!!!
    Im Alltag denkt keiner darüber nach, nur wenn es ein Problem mit dem Brötchen gibt
    könntest du im Sumpf landen…

    ” Ist sie vielleicht eine der Zeitgeschichte? Immerhin hat sie ja ein Blog, glaube ich, oder?”

    Sorry, ein Blog macht einen nicht zu einer “Person der Zeitgeschehen
    Das ist völlig abwegig. Das wäre eine ganz schöne “Star”-Inflation,
    wenn jeder der x Millionen Blogger sofort eine Person der Zeitgeschehen würde.

    “Was ist mit Demonstrationen? ”
    Alles geregelt, schau mal ins Kunsturhebergesetz oder einen Kommentar
    zu dem Thema.
    –> Die Daumenregel: Wenn die Person eine wichtige Rolle in der Versammlung
    einnimmt darfst du Fotografieren.

    “Wie verhält sich das Recht in Einkaufszentren? In Museen? Auf Sportplätzen?”

    Prinzipiell braucht man eine Erlaubnis (Property Release) Googel mal zu dem
    Thema, da gibt es einige Gute Artikel zu, die Antworten geben.

    Zum Thema Foto nicht Löschen, sondern nur nicht veröffentlichen:
    Ganz einfache Daumenregel:
    Wenn du ein Foto veröffentlichst, an dem du die Rechte nicht
    hast und erwischt wirst, kannst du auf die Finger bekommen.

    “Kollateralmotive sozusagen: who cares?”
    Genau diese Einstellung mag man von einem Fotografen lesen.
    Menschen die Rechte haben als “Kollateralmotive” zu bezeichnen ist
    wirklich mitfühlend.

    “Fotografieverbot = Sprechverbot” ?
    Na, da gehst du aber etwas zu weit.
    Außerdem solltest Du nicht vergessen das DEINEM
    Recht (ich darf Fotografieren) auch andere Rechte
    entgegenstehen (z.B. die Recht von dem was du fotografierst.

    Es ist nicht alles verboten in Deutschland. Vieles aber aus gutem Grund
    (z.B. Autofahren,Bauen und Waffenbesitz)

    Beste Grüße

  44. Pingback: Exkurs: Kompetenter Umgang mit Bildern - Arbido Projektmanagement

  45. Pingback: Weekly Leseempfehlung vom 27. February 2015 | off the record

  46. wo ist eigentlich mario sixtus? hat man nicht als contend verbreiter eine gewisse verantwortung zur moderation? wie, das was hier heute streetphotography nennt, es wird einfach etwas veroeffentlicht ohne dafuer verantwortung zu uebernehmen. zum geknippse kommt gelaber hinzu.

  47. Pingback: diese Woche … (1509) - Tom! Striewisch

  48. Das Problem bei der Straßenfotografie liegt doch m.M.n. darin, dass ich als fotografierte Person in der Regel nicht weiß, was der Fotograf damit vorhat.
    Klebt er sich die Fotos privat in sein Fotoalbum, kann es mir herzlich egal sein. Soll er sich daran erfreuen.
    Wenn die Bilder allerdings online für Jedermann sichtbar sind, dann habe ich wohl etwas dagegen. Wenn ich entlang einer Straße gehe, ist das ein Unterschied dazu, ob ich auf ewig und immer im Netz zu sehen bin oder nur für ein paar Minuten, die ich dort die Straße entlang laufe.

    Wenn jemand sagt: “Dann geh nicht raus, wenn du nicht fotografiert werden möchtest”, der kann genauso gleich damit argumentieren, ‘dann setz keine Kinder in die heutige Welt, wenn du nicht möchtest, dass sie ungefragt fotografiert und veröffentlicht werden’. Das alles sind Totschlagargumente, die den Respekt der abgelichteten Person untergraben.
    Das ist jedenfalls meine Meinung.

    Ich finde es hat sehr viel mit Respekt (auch der eigenen Arbeit – sprich Streetfotografie – gegenüber) zu tun.
    Heutzutage machen viele mit dem Smartphone oder sonstigen Kameras Fotos ohne großartig darüber nachzudenken. Die Gedanken sind ganz woanders.
    Das was die großen Fotografen ausmacht ist ihre Leidenschaft. Das ausgiebige Beschäftigen und studieren der Situation. Das vorherige beobachten von Lichtsituationen zu dieser oder jener Uhrzeit. Das richtige Abdrücken im richtigen Moment.
    Qualität statt Quantität.

    Wichtig ist das _professionelle_ Aufklären darüber, was ich mit den Fotos vorhabe und zeige wenn möglich eine kleine Mappe mit meinen Arbeiten. So erfährt man vielleicht noch etwas über die abgelichtete Person, wenn mann ins Gespräch kommt und mein Gegenüber bekommt eher eine Vorstellung davon, was ich mit den Fotos bezwecke oder gar Geld damit verdienen möchte. Wenn der Fotograf (oder ein Assistent) offen mit den Absichten umgeht, dann klappt’s auch eher mit einer Genehmigung zur Verwendung.

    Ich persönlich würde mich je nach Situation fotografieren lassen bzw. einer Veröffentlichung zustimmen. Das ist abhängig davon, ob der Fotograf sich später zu erkennen gegeben hat oder ich ihn ansprechen musste.
    Ob ich eine freundliche Reaktion bekam oder eine Antwort a la: “Geh weg, du kannst mir nix, ich bin ein ganz toller Fotograf und mache was ich will.”
    Das zeigt mir nur, dass der Fotograf auch die Fotografie nicht ernst nimmt, wenn er es beim Menschen schon nicht schafft.
    Wie soll ich die Arbeit von jemanden respektieren, wenn er mich als sein ‘Arbeitsmaterial’ – denn etwas anderes wäre ich in dem Moment als abgelichtete Person ja nicht – nicht respektiert?!
    Vielleicht sollte darüber mal nachgedacht werden…!

    Und statt der ‘Zettelwirtschaft’ gibt es inzwischen auch Alternativen.
    Im Link findet man eine gute Erklärung (zum Thema) von einem Kanadisch /Amerikanischen Fotografen, dessen Bilder sicher viele kennen.
    http://www.joeyl.com/2011/09/release-me-the-model-release-app/

  49. Pingback: Woanders – diesmal mit der Straßenfotografie, Manfred Maurenbrecher, Banksy und anderem | Herzdamengeschichten

  50. Ich finde die ganze Argumentation des Artikels fragwürdig. Wenn die Straße als öffentlicher Raum definiert wird und sämtliche darin geschossene Bilder legitimiert werden, dann öffnet eine solche Gesetzeslage Tür und Tor für sämtliche Aufnahmen. Wer hindert mich dann Leute mit einer Videokamera auf Schritt und Tritt zu filmen, schließlich befinden sie sich ja im öffentlichen Raum? Was sagte zum Beispiel das Paar auf dem Foto, das ein Selfie von sich, für sich oder einen begrenzten Kreis schoss? Möchte es das dieser Moment in der Öffentlichkeit breitgetreten wird? Fotos die in den 20er / 30er Jahren geschossen wurden sind den heutigen Personen kaum noch zuordbar, aber was ist mit Fotos der Gegenwart?
    Ich finde es schwierig die ungefragte Veröffentlichung einzelner Personen in der Streeartfotografie mit dem Verhalten der Allgemeinheit (hemmungsloser Veröffentlichungswahn) zu rechtfertigen und zu legimitieren.
    Was die USA von Datenschutz hält wissen wir ja, aber müssen wir das hier in Deutschland deswegen auch gut heißen?

  51. Pingback: Montagslinks 08/15 | Random Signals

  52. Pingback: Fotografieverbot heißt Kommunikationsverbot | Luminance

  53. Pingback: Linktips Roundup 3th March 2015 | Freiraum

  54. Nachtrag zum Blogpost. Jetzt ist ja die erste Aufregung einigermaßen abgeebbt…
    Deshalb, hier nun der Nachtrag zum Post und meinem Kommentar.

    1. Ich habe endlich mal den gesamten §201 StGB gelesen UND verstanden. Insbesondere Absatz (4) ist interessant, gerade für Fotografen/Journalisten gedacht, und wird weder von Hr. Sixtus noch von anderen in irgendeiner Form diskutiert…

    2. Der Fall Espen E. ist nur bedingt mit dem $201 vergleichbar. Hier greift eher andere Gesetze, wie z.B. Recht am eigenen Bild usw. Der Fotograf Espen E. hätte das Bild der Frau ohne Ihre Einwilligung auch ohne den 201er NICHT ausstellen dürfen. Und das ist verdammt nochmal gut so! Ist mir egal, ob sich andere auf Facebook ausziehen und die Fotos posten – ich mache das nicht. Und ich will mich auch nicht von irgendwem fotoknipsen lassen, ohne vorher gefragt zu werden. Punkt. Wieviel Stolz bricht einem Fotografen ab, wenn er mit seinem Subjekt nach dem Foto interagiert und nachfragt? Gar keiner. Wenn das Subjekt danach sagt, dass es das Foto nicht veröffentlicht haben will, gehört es zum guten menschlichen Miteinander das zu respektieren. RESPEKT dem Subjekt gegenüber ist wichtig. Und sagt mehr über uns aus als jedes Foto das wir machen.

  55. Pingback: Street Photography: Prozess um Fotos im öffentlichen Raum per Crowdfunding finanziert | Newswire Basic-One

Autor: Mario Sixtus